Trüber Ausblick auf Tourismuswinter

12. Oktober 2009, 17:57
2 Postings

Nächtigungsrückgang erwartet - Marktanteilgewinne erhofft - Sonderbudget abgesagt

Wien - Österreichs Tourismuswirtschaft stellt sich auf einen frostigen Start und einen nicht minder kühlen Verlauf der Wintersaison ein. Grund ist die Wirtschaftskrise, die die Arbeitslosenzahlen nach oben getrieben und das Stimmungsbarometer nach unten gedrückt hat. Mehrheitlich wird erwartet, dass die Krise zeitverzögert nun den Tourismus mit voller Wucht trifft.

"Das wird heuer kein Spaziergang" , sagte die Chefin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, am Montag bei der Präsentation der Winterkampagne. Diese ist wie schon ihr Gegenstück im Sommer erstmals fast ausschließlich auf die Nahmärkte konzentriert. Neben Österreich, Deutschland und Tschechien werden diesmal speziell auch potenzielle Urlaubsgäste in Großbritannien und den Niederlanden umworben.

Wie Stolba rechnet auch Tourismusminister Reinhold Mitterlehner mit einem Rückgang der Nächtigungszahlen im Winter. Auf eine Prognose wollte er sich nicht einlassen. Fix ist, dass aus der ursprünglich angedachten Aufstockung des der ÖW Anfang Sommer gewährten Sonderbudgets über vier Mio. Euro wegen des angespannten Staatshaushalts nichts wird. Dennoch wird die ÖW heuer mit 15 Mio. Euro um rund zehn Prozent mehr Marketingbudget zur Verfügung haben als in der vergangenen Wintersaison.

"Wir haben das durch Umschichtungen und Auflösen von Rücklagen flüssiggemacht" , sagte Mitterlehner. Der Bund ist mit 75 Prozent an der ÖW beteiligt, die Wirtschaftskammer hält 25 Prozent. Ziel sei es, trotz absehbarer Nächtigungsrückgänge Marktanteile zu gewinnen. "Es geht darum, weniger zu verlieren als andere" , sagte Mitterlehner.

Im Sommer ist dies nicht zuletzt dank des besten Augustergebnisses seit Anfang der 1990er-Jahre (gut vier Mio. Ankünfte, 16,6 Mio. Nächtigungen) gelungen. Weil andere Nationen mehr verloren haben, ist Österreichs Marktanteil im Sommertourismus gestiegen. Insgesamt haben sich Österreichs Tourismusbetriebe in der noch bis Ende Oktober laufenden Sommersaison besser geschlagen als befürchtet. Bis Ende August hält die Branche bei einem Nächtigungsminus von 1,8 Prozent.

Weil im Oktober 2008 mit 6,2 Millionen Nächtigungen ein Rekordwert erzielt wurde und auch der September recht gut war, werde es schwer sein, heuer an diese Ergebnisse heranzukommen, sagte Peter Laimer von der Statistik Austria dem Standard.

"Alles unter vier Prozent Minus bei den Nächtigungen im heurigen Sommer ist als Erfolg zu werten" , sagte Mitterlehner.

Der Wirtschaftsminister will sich nun auch eines Themas annehmen, das noch für heftige Debatten sorgen dürfte: die bessere Koordinierung zwischen Bund und Ländern in Tourismusfragen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2009)

Share if you care.