Schlankes Herbstprogramm

9. Oktober 2009, 19:02
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Neben Auktionen locken kommende Woche in London mit Frieze und Zoo die noch verbliebenen Messeformate im Herbst

Es ist eines jener hartnäckigen Gerüchte, das schon seit Wochen, ja Monaten nicht verstummen mag: Dass kommende Woche die letzte Frieze ihre Eröffnung zelebriert. Weil den sieben fetten sollen gemäß biblischer Überlieferung ja doch sieben dürre Jahre folgen. Insofern könnte sich London als älteste Marktmetropole schon mal auf eine Art Katastrophentourismus einstellen.

Denn das schwierige Marktumfeld fordert erste Opfer, sowohl in der Auktionsbranche als auch bei Messen. Die ehemals im Windschatten der Frieze erblühten Satellitenformate haben sich dezimiert, der trashige Charme einer Year 07 und der So Feucking French (2008) locken heuer ebenso wenig wie eine Red Dot oder die unter den Kürzeln Bridge (2007) und Scope (2008) firmierenden Art Fairs.

Neben der siebenten Frieze (15.-18.10.) darf sich auch die Zoo (16.-19.10.) zu den Überlebenden zählen. Beide buhlen, auch angesichts schwindender Teilnehmerzahlen, mit Justierungen um die Gunst des Publikums. Etwas längeren Atem wird man da für die Zoo benötigen, die sich an den Stadtrand im Osten Londons trollte, die zentrale Lage ließ man nicht nur aus ökonomischen Gründen - die Standkosten konnten so um ein Drittel gekürzt werden -, sondern auch zugunsten aufgestockter Ausstellungsflächen hinter sich. Die Anzahl der Teilnehmer schrumpfte hier von 58 (2008) auf 21 und liegt damit deutlich unter der Startaufstellung von 26 (2004), dafür will man mit Low-Budget-Programmen punkten.

Die Lücke von stolzen 40 Ausfällen, darunter 13 amerikanische und elf deutsche Galerien, konnte man in Regents Park nur bedingt füllen. Zugleich heißt man 24 Erstaussteller willkommen, darunter Galerien aus Polen, Korea, den Vereinigten Emiraten und Japan, womit die Anzahl der vertretenen Nationen von 23 auf 30 stieg. Zusätzlich erweiterte man das Programm um die Sektion Frame, in der ähnlich dem Prinzip der Baseler Art Statements, Einzelpräsentationen von Künstlern stattfinden, präsentiert von Galerien, die nicht älter als sechs Jahre alt sein dürfen. Die aus Österreich anreisende Stammformation - Martin Janda, Georg Kargl, Ursula Krinzinger, Krobath-Wimmer, Meyer Kainer und Gabriele Senn - erfreut sich aktuell am Zuwachs. Frieze-Debütant Andreas Huber hat Arbeiten von Dan Reese, Leopold Kessler oder Judith Hopf im Messegepäck.

In den letzten beiden Jahren zählte die Frieze 60.000 Besucher, und auf diese Masse hofft man auch aktuell. 2008 seien die Verkäufe über den Erwartungen gewesen, einige Stände gar ausverkauft. Soweit die offizielle Verlautbarung, gerüchteweise hätte es sich allerdings um eine sehr verhübschte Darstellung der tatsächlichen Situation gehandelt.

Am auffälligsten sind die Veränderungen in der Auktionsbranche. Im Gegensatz zu Christie's (16.10.) und Phillips de Pury (17.10.) verzichtet Sotheby's erstmals seit 2005 auf einen Evening Sale und damit ein Prestigeevent, das zuletzt 22 Millionen (2008) bzw. 35 Millionen (2007) Pfund einspielte. Der Anlass entbehrt freilich der Freiwilligkeit, eher spiegelt er die Problematik, eine den bisherigen Ambitionen entsprechende und damit qualitativ hochwertige Auktionsofferte zu akquirieren. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 10./11.09.2009)

  • Martin Kippenberger: 2007 wechselte eine Paris Bar Version bei Phillips de Pury für netto 550.000 Pfund den Besitzer, Christie's hofft jetzt auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund.
    fotos: christie‘s

    Martin Kippenberger: 2007 wechselte eine Paris Bar Version bei Phillips de Pury für netto 550.000 Pfund den Besitzer, Christie's hofft jetzt auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund.

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