Haider als Lichtgestalt in der Kärntner Unterwelt

9. Oktober 2009, 17:46
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In Klagenfurt wurde anlässlich des ersten Todestages die Jörg-Haider-Gedächtnisausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum eröffnet - Die NS-Vergangenheit von Haiders Eltern wurde in der Jubelschau beschönigt

Klagenfurt - Schwarze Fahnen mit dem Schriftzug Jörg Haiders und dem Kärntner Landeswappen säumen den Eingang zum Klagenfurter Bergbaumuseum. In wenigen Tagen wird hier auch eine 3,40 Meter hohe Skulptur enthüllt werden, die Haiders "verbindende Hände" zur Kärntner Bevölkerung symbolisieren soll.

Kurz vor dem Todestag Haiders am 11. Oktober wurde die Haider-Gedächtnisschau in dem ehemaligen Klagenfurter Nazi-Stollen eröffnet, der Gauleiter Friedrich Rainer in den letzten Kriegstagen als Befehlsbunker diente und von dem aus er auch seinen Rückzug via Radio bekanntgab. Im Beisein vonHaiders Witwe Claudia, Mutter Dorothea und Schwester Ursula Haubner fand sich zunächst nur die Kärntner und die BZÖ-Prominenz ein. Das trauernde Kärntner Volk kann dann ab dem Landesfeiertag am 10. Oktober Haiders "Totenschrein" im Bergbaumuseum besichtigen.

Die Schau ist in drei Teile, Familie, Landeshauptmann und Tod gegliedert. Man habe auch kritische Punkte beleuchtet, betont Museumsleiter Gerhard Finding.

In den finsteren, engen Stollen wird Haider allerdings als Lichtgestalt zelebriert. Gleich eingangs wird der Betrachter mit dem politischen Medienstar konfrontiert: "Wer konnte sich mit ihm messen?" , steht da auf den Texttafeln zu lesen, oder: "Wie bekämpft man diesen Mann, wie seine Politik?" Der Betrachter ahnt bereits die Antwort: "mit Ausgrenzung" .

Weiter geht's zur Familienabteilung. Neben einer Auswahl von Anzügen des modebewussten Landeshauptmannes und Claudia Haiders Brautkleid ist unter anderem auch das Schaukelpferd von Klein-Jörg , genannt "Cäsar" , in einer eigenen Vitrine zu finden. Cäsars Geschichte wird auch gleich mitgeliefert. Es sei ein gebrauchtes Schaukelpferd gewesen, denn ein neues hätten sich die Eltern Haiders Robert und Dorothea nicht leisten können.

Und wieder ein Stück weiter erfährt man die Hintergründe der Armut in Haiders Elternhaus: Robert und Dorothea, vormals Nationalsozialisten "wie Millionen andere" , seien nach 1945 von den "Systemparteien" ÖVP und SPÖ "verleugnet, verfolgt und gedemütigt" worden. Zu Robert Haider, der als illegaler Nazi am Juliputsch 1934 beteiligt war, wird festgehalten, dass er sich "1933 gegen den Faschismus in Österreich zu wehren versuchte, (...) was letztlich bei ihm mit der Flucht aus der Heimat endete" .

Auch zur Arisierung des Bärentals erfährt man nur, dass die Familie Roifer dieses zunächst als Spekulationsobjekt erworben habe und dass es sich um einen Zwangsverkauf und nicht um eine jüdische Enteignung gehandelt habe. Fragen empörter Journalisten quittierte Ausstellungskurator Finding in mit den Worten: "Ich muss die Geschichte nicht kennen."

In einem eigenen Raum werden Haiders Tod und seine letzten Stunden beleuchtet. Ein riesiges Bild mit dem Autowrack nimmt die gesamte Stirnseite ein. Auf den Schautafeln werden der von der Staatsanwaltschaft bestätigte Unfallhergang, aber auch die Ergebnisse der Obduktion von Haiders Leichnam bezweifelt, wonach er mit 1,8 Promille Alkohol im Blut und viel zu hoher Geschwindigkeit seinen Unfalltod selbst verschuldet habe. Man habe Fakten, durch einen eigens engagierten Pathologen, erfährt man schließlich bei der Pressekonferenz. Im Klagenfurter Rathaus wurden unterdessen tausende Gedenkkerzen gratis verteilt, um "das Licht für den Jörg am Leuchten zu halten" .  (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 10.10./11.10.2009)

 

 

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    Claudia Haider zeigt sich von der Ausstellung "tief gerührt und bewegt".

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    Ursula Haubner, Haiders Mutter Dorothea und Landeshauptmann Gerhard Dörfler bei der Ausstellungseröffung.

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    Auch Haiders Schaukelpferd ist als Exponat in der Ausstellung zu sehen.

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