Washington prüft Zusammenarbeit mit Taliban

9. Oktober 2009, 17:44
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Weißes Haus: "Geringere Bedrohung als Al Kaida"

Das Weiße Haus erklärte, dass die Taliban eine geringere Bedrohung für die Sicherheit der USA darstellten als die al-Kaida. Über eine Kooperation mit moderaten Taliban wird offen nachgedacht.

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Islamabad/Kabul/Washington- Während aus der ganzen Welt Glückwünsche für Barack Obama eintrafen, kritisierten Vertreter der Taliban die Entscheidung scharf. Es sei absurd, einem Mann der zusätzliche 21.000 Soldaten nach Afghanistan gesandt habe, um den Krieg zur Eskalation zu bringen, den Friedensnobelpreis zu verleihen, sagte der Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid am Freitag. Obama solle eher den "Nobelpreis für die Eskalation von Gewalt und das Töten von Zivilisten" bekommen.

Die Regierung Obama prüft indes bei ihrer Kursbestimmung für den Einsatz in Afghanistan auch eine Zusammenarbeit mit gemäßigten Taliban. Damit die Regierung eine "kluge" Entscheidung für das weitere Engagement am Hindukusch treffen könne, würden "alle möglichen Ansätze" überprüft, sagte Außenministerin Hillary Clinton am Donnerstag in Washington.

Das Weiße Haus erklärte am Donnerstag, dass die Taliban eine geringere Bedrohung für die Sicherheit der USA darstellten als das radikalislamische Terrornetzwerk Al-Kaida. Dies nährte Spekulationen, Obama könnte sich gegen eine Aufstockung der US-Truppen entscheiden. Der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Stanley McChrystal fordert hingegen die Entsendung von 40.000 zusätzlichen Soldaten, da der Krieg nach seinen Angaben ansonsten binnen einen Jahres verlorengehen könnte. US-Präsident Barack Obama ist noch unschlüssig, ob er der Empfehlung des US-Generals folgen soll.

Obama setzte am Donnerstag seine Beratungen über eine neue Strategie für Afghanistan in einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Gordon Brown fort. In dem Gespräch sei es um die "gemeinsame strategische Agenda" hinsichtlich Afghanistans und Pakistans gegangen, sagte der US-Präsidentensprecher Robert Gibbs.

Isaf-Mandat verlängert

Am Donnerstag hat auch der UN-Sicherheitsrat das Mandat der Afghanistan-Schutztruppe Isaf um weitere zwölf Monate verlängert. In der einstimmig verabschiedeten Resolution rief der Sicherheitsrat die Mitgliedstaaten auf, Soldaten und Material zur Verstärkung der von der Nato geführten Isaf bereitzustellen.

In der Isaf sind knapp 68.000 Soldaten aus 42 Nationen in Afghanistan im Einsatz. Das mit Abstand größte Truppenkontingent stellen die USA, die die europäischen Nato-Verbündeten zu einer Aufstockung der Einsatzkräfte drängen. Auch eine Aufstockung des deutschen Afghanistan-Kontingents noch in diesem Jahr ist im Gespräch.

Die Gewalt in der Krisenregion ging am Freitag jedenfalls weiter. Bei einem schweren Bombenanschlag in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar wurden mindestens 49 Menschen getötet. Mehr als 100 weitere Menschen wurden verletzt. Die Stammesgebiete im Nordwesten Pakistans sind eine Hochburg der Taliban und des Al-Kaida-Netzwerks von Osama Bin Laden. Am Vortag hatte die pakistanische Armee nach eigenen Angaben bei einer Offensive im nordpakistanischen Swat-Tal 17 Taliban-Kämpfer getötet.

Der UN-Beauftragte für Afghanistan, Kai Eide, wies nun den Vorwurf zurück, Hinweisen auf Betrug bei der Präsidentenwahl nicht entschieden genug nachgegangen zu sein. Die Anschuldigungen seines früheren Stellvertreters Peter Galbraith seien "offensichtlich falsch" und lenkten davon ab, dass noch kein Ergebnis der Wahl vom 20. August vorliege. Galbraith war vergangene Woche wegen seiner Kritik an Eide als Nummer zwei der Uno in Afghanistan entlassen worden. Laut vorläufigen Ergebnissen gewann Amtsinhaber Hamid Karzai eine absolute Mehrheit. (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2009)

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    Neue Form der Zusammenarbeit? In der Provinz Logar gibt ein Afghane einem US-Soldaten eine Zwiebel. Die USA denken über eine Kooperation mit gemäßigten Taliban in Afghanistan nach.

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    Laut Weißem Haus weniger gefährlich als Al Kaida: Taliban-Kämpfer in Afghanistan

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