Constantini setzt auf heimische Ligakicker

8. Oktober 2009, 10:34
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Aktuell wenig Bedarf an Gastarbeitern: nur fünf Legionäre dabei - Scharner: "Jeder Teamchef hat eigene Philosophie"

Seefeld - Österreichs Fußball-Nationalteam liegt im Moment im politischen Trend. Gastarbeiter sind in der ÖFB-Auswahl wenig gefragt, wie schon ein Blick auf die Kaderliste verrät. Im 22-Mann-Aufgebot stehen nur fünf Kicker, die ihr Geld im Ausland verdienen, und dazu zählen mit Ekrem Dag (Besiktas) ein potenzieller Debütant und mit Erwin Hoffer (Napoli) und Stefan Maierhofer (Wolverhampton) zwei Spieler, die erst vor einigen Wochen die österreichische Liga verlassen haben.

Noch vor einem Jahr war alles ganz anders gewesen. Im August 2008 setzte Teamchef Karel Brückner in seiner ersten Partie auf der ÖFB-Bank (2:2 gegen Italien) auf zehn Legionäre in der Startformation, wenig später beim 3:1 gegen Frankreich begannen ebenso neun Fremdarbeiter wie beim 0:2 in Litauen und beim 1:1 gegen die Färöer.

Am Abstellgleis

Einige der damals einberufenen Legionäre sind verletzt oder noch nicht topfit (Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz, Martin Stranzl, Marko Arnautovic), einige baten endgültig oder temporär um eine Nicht-Berücksichtigung (Alexander Manninger, György Garics, Andreas Ibertsberger), einige werden nicht mehr einberufen, weil sie bei ihren Vereinen selten zum Zug kommen (Roland Linz, Ramazan Özcan, Jürgen Säumel, Martin Harnik), vereinslos sind (Jürgen Macho) oder eben im Moment vielleicht nicht so recht in die Mannschaft passen (Andreas Ivanschitz).

Als einer der wenigen im Ausland beschäftigten österreichischen Fußballer zählt Paul Scharner seit seinem Team-Comeback vor 14 Monaten zu einem Fixpunkt im Nationalteam. Der Wigan-Legionär, der mit Hinweis auf das dürftige Niveau im Herbst 2006 vom Nationalteam abgetreten war und daher die Heim-EM im Vorjahr verpasst hatte, hat für die Zeitenwende in der ÖFB-Auswahl eine einfache Erklärung parat. "Jeder Teamchef hat seine eigene Philosophie. Brückner hat geglaubt, dass Legionäre mehr bringen, Constantini setzt auf die Jungen der österreichischen Liga. Das ist das Recht jedes Trainers, und bis jetzt kann man nichts dagegen sagen", erklärte er.

Scharner: "Der Beste soll spielen"

Welchen Weg Scharner für den besseren erachtet, verriet der 29-Jährige nicht: "Ich halte viel vom Leistungsprinzip. Der Beste soll spielen." Der Niederösterreicher sieht generell einen Aufwärtstrend, was die heimischen Liga betrifft. "Dass wir vier Mannschaften in der Europa League haben zeigt, dass unsere Liga wieder im Kommen ist. Aber man darf nicht vergessen, dass die Top-5-Ligen über der österreichischen stehen."

Nach der Meinung von Constantini ist der Klasseunterschied zwischen dem heimischen Oberhaus und anderen europäischen Ligen geringer als vermutet. "Wir haben alle ein bisschen ein Faible für andere Ligen, aber ob man zum Beispiel in Italien um zwei, drei Klassen besser wird, ist zu hinterfragen. Wir haben drei, vier Mannschaften, bei denen ich keine Bedenken habe, dass sie in allen Ligen mithalten können", betonte der Tiroler.

Die Reduzierung der Legionärs-Anzahl im ÖFB-Team ist laut Constantini "vielleicht einfach der Lauf der Zeit. Es schaut momentan ganz gut aus, bisher haben sich die Spieler aus der österreichischen Liga ganz gut geschlagen".

Vergleiche

Für seinen Assistenten Heinz Peischl ist der größere Anteil an Bundesliga-Kickern im ÖFB-Kader auch ein Indikator dafür, dass die Qualität der heimischen Bundesliga gestiegen ist. "Man sieht in der Europa League, dass unsere Clubs den Vergleich mit englischen oder deutschen Mannschaften nicht scheuen müssen. Der Stellenwert der deutschen Liga ist insgesamt höher einzuschätzen als jener der österreichischen, das heißt aber nicht, dass ein Spieler, der in Deutschland spielt, automatisch besser ist als einer, der in Österreich spielt", sagte der Burgenländer. (APA)

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