"700 Millionen sind kein Problem"

7. Oktober 2009, 15:39
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Erdöl-König Rezart Taci will hochverschuldete Rossoneri übernehmen, Silivo Berlusconi wiegelt ab. Noch.

Mailand - Fußball-Italien schwirrt von Gerüchten. Es geht um die Zukunft des AC Milan. Obwohl Besitzer Silvio Berlusconi entsprechende Absichten weiterhin dementiert, wird über einen Verkauf der Rossoneri spekuliert. Und im albanischen Erdölunternehmer Rezart Taci, dessen Einstieg bei Bologna in der letzten Saison scheiterte, gibt es auch einen deklarierten Interessenten: "Ich habe Berlusconi mein Interesse signalisiert. Er hat mir geantwortet, dass er Milan nicht verkaufen will, dass er aber meinen Vorschlag überprüfen wird, sollte er seine Meinung ändern", sagte Taci im Interview mit der Gazzetta dello Sport am Mittwoch.

Er habe kein Problem, jene 700 Millionen Euro aufzustellen auf die Milan von Experten taxiert wird. "Geld ist kein Problem. Mein Unternehmen ist gewohnt, relevante Verpflichtungen zu übernehmen", so der 38-jährige deklarierte Milan-Fan. Taci, der in Italien studiert hat und Milan bereits zu karitativen Freundschaftsspielen nach Tirana lotste, betreibt in Albanien mit seiner Firma "Taci Oil" eine Tankstellen-Kette. Die Gruppe erwirtschaftet sieben Milliarden Euro pro Jahr.

Gerüchte über Berlusconis Absicht, sich von seinem 1986 erworbenen Lieblingsspielzeug zu trennen, kursieren schon seit Wochen. Arabische Investoren sowie der libysche Staatschef Muammar Gaddafi waren mit Milan in Verbindung gebracht worden. Berlusconi habe Gaddafi den Klub nach der Niederlage im Derby gegen Inter angeboten, schrieb das römische Blatt "Repubblica". Tripolis ist mit der libyschen Zentralbank und der libyschen Investmentbehörde bereits Aktionär bei Rekordmeister Juventus Turin.

Berlusconis Medienholding Fininvest, Hauptaktionär von Milan, dementierte jedoch erneut alle Verkaufspläne. Auch die Veräußerung von Minderheitsbeteiligungen sei nicht geplant, hieß es. Neue Nahrung erhielten die Spekulationen jedoch, nachdem Berlusconis Holding kürzlich zu einer Zahlung von 750 Millionen Euro an ihren Rivalen CIR verurteilt wurde. Fininvest habe 1990 in der Auseinandersetzung um den Kauf von Mondadori, Italiens größte Verlagsgruppe, einen Richter bestochen.

Zudem gilt Milan als hochverschuldet. Kaká, Kopf der Mannschaft, musste deshalb im Sommer für 67 Millionen an Real Madrid verkauft werden. Adäquater Ersatz wurde nicht verpflichtet, das Team der Rossoneri ist überaltert. Auch Coach Leonardo galt nach der Trennung von Carlo Ancelotti als Billiglösung. Der Trainerdebütant war zuvor Berater des Klubs, für den er selbst vier Jahre lang gespielt hatte. Ein weiteres mögliches Motiv für Veräußerungsgedanken des Cavaliere: Berlusconis erwachsenen Kindern Piersilvio und Marina, die das Imperium des italienischen Ministerpräsidenten verwalten, fehlt die Leidenschaft für das Fußball-Geschäft.

Taci, der sich auch vorstellen könnte, Berlusconi als Minderheiten-Eigner, an Bord zu belassen, versprach dem siebenfachen Europacup-Sieger eine erfolgreiche Zukunft unter seiner Führung. "Ich garantiere, dass ich alles tun werden, damit Milan bleibt, wohin es gehört: an der Weltspitze." Bis dorthin ist es derzeit allerdings ein Stück Weg. In der Serie A nach sieben Runden nur auf Platz elf, setzte es zuletzt in der Champions League ein peinliches 0:1 gegen den FC Zürich. Trainer Leonardo ist angeschlagen. Ex-Milan-Star Marco van Basten soll ein Kandidat für die Ablöse des Brasilianers sein. (rob/Reuters/APA)

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    Rezart Taci (re) empfängt Milan-Vize Adriano Galliani (M) in Tirana. Im vergangenen Okotber traten die Italiener in der "Taci Oil Albania Reads Trophy" gegen den FK Tirana an. Die Einnahmen sollen zum Bau von Bibliotheken in Albanien dienen.

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