Wenn Mustafas Geschlechterpolitik lernen

6. Oktober 2009, 18:34
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Die Muslimische Jugend Österreichs gibt Wochenendseminare in Gender-Mainstreaming

Wien – Gender-Mainstreaming hört sich wohl auch für viele christliche und atheistische Jugendliche nach britischem Bahnhof an, für muslimische ganz sicher – zumindest im Kopf der Öffentlichkeit. Herumlungernde und -pöbelnde gewaltbereite Teens und Twens, junge Väter, die ihre kopftuchtragende Frau herumkommandieren: Das sind Stereotype, die das Bild bestimmen. Solche Fälle gibt es durchaus, aber auf die Mehrzahl der Jugendlichen trifft es nicht zu. "Mustafa" soll helfen, dass es noch mehr werden.

"Projekt Mustafa" nennt die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) die Schulung von 15 jungen Männern in mehreren Wochenendseminaren, in denen sie etwas über Gleichstellungspolitik, Konfliktmanagement, Rhetorik oder gruppendynamische Prozesse lernen. Die ersten Absolventen bekamen am Montagabend in Wien ihre Diplome überreicht – und offenbarten die Schwierigkeit des Projektes. Denn die Ausgezeichneten sind allesamt in qualifizierten Berufen tätig, Studenten oder Schüler höherer Schulen.

Wie will man also die eigentliche Zielgruppe erreichen, jene, die mit der Integration Schwierigkeiten hat? "Eine berechtigte Frage", sagt K., 21-jähriger Muslim aus Niederösterreich und einer der "Mustafas". "Es geht darum, dass wir als Multiplikatoren wirken. Wir wollen die Zielgruppe vor Ort erreichen, in den Parks, vor den Moscheen", sagt er. Geschlechterrollen von Erwachsenen werde man kaum mehr ändern können, bei Jungen gäbe es diese Chance allerdings noch.

MJÖ-Vorsitzende Tugba Şeker will das Projekt in jedem Fall weiterführen. Am liebsten hätte sie es von einem Integrationsstaatssekretariat unterstützt. "Denn eigentlich hat das Thema nichts im Innenministerium zu suchen", stellte sie Montagabend klar. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 07.10.2009)

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