Mit niedrigeren Kosten profitabel werden

6. Oktober 2009, 18:34
48 Postings

Neue Direktiven bei der AUA: Die Kosten pro Sitzplatz müssen sinken, die Erträge steigen, die Produktivität muss erhöht werden, die Crew länger fliegen

Bei der AUA gibt es neue Direktiven: Die Kosten pro Sitzplatz müssen sinken, die Erträge steigen, die Produktivität muss erhöht werden, die Crew länger fliegen. Andernfalls schrumpft die Langstrecke kräftig.

***

Wien - Kaum im Lufthansa-Konzern angekommen, muss die AUA den Gürtel nochmals enger schnallen. Die Einheitskosten müssen deutlich sinken, gleichzeitig muss die Produktivität gesteigert werden. Erreichen will das die AUA-Führung unter Andreas Bierwirth und Peter Malanik neben dem bereits angekündigten Mitarbeiterabbau um ein Drittel auf bis zu 6000 durch ein Bündel an Maßnahmen:

Zuallererst wird die Strategie geändert: Statt auf Sekundärmarktziele konzentriert sich das Unternehmen auf Primärmärkte, wo das Passagieraufkommen größer ist. Auf wichtigen Verbindungen wie etwa nach Zürich, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Mailand, Paris und London werden ab dem Sommerflugplan im April 2010 größere Flieger eingesetzt. Diese Maschinen werden vom Charterverkehr Richtung Linie verschoben: Statt bisher acht Flieger wird es nur mehr drei Charter-Flieger geben. Ob die Marke Lauda Air dann noch behalten wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Zum Einsatz kommen die Charter-Flieger etwa auf der Zürich-Route, die derzeit viermal täglich mit einer Fokker 70 geflogen wird. Künftig kommt eine Boeing 737/800 mit 200 Sitzen viermal täglich zum Einsatz. In der Airbusflotte werden sechs bis zehn zusätzliche Sitzplätze eingebaut.

Der Flugplan soll dahin gehend optimiert werden, dass die Stehzeiten der Crew reduziert werden. In Moskau etwa steht die Crew samt Maschine 2,40 Stunden unproduktiv, zur besten Zeit. Gleichzeitig will man die Arbeitszeit der Crew erhöhen. So soll das monatliche Limit bei den Flugstunden von derzeit 90 auf 100 erhöht werden. Im Quartal von 240 Stunden auf 300 Stunden. Das alles unter Ausnutzung bestehender Kollektivverträge.

Kosten produzieren

Intern wird bekrittelt, dass die AUA gleichzeitig Kosten produziert. Der Flottenchef der Boeing 737 wurde abgezogen und durch einen Airbus-Piloten ersetzt, der erst die notwendige und teure Zulassung für die Boeing erwerben müsse.

Mit einem neuen Konzept will man auch auf die Billig-Flieger-Konkurrenz in Wien reagieren. Da sei die AUA bisher zu passiv gewesen, sagt Bierwirth. Er geht generell davon aus, dass die Durchschnittspreise pro Ticket im zweistelligen Prozentbereich weiter sinken werden. In Osteuropa und auf der Langstrecke habe man hingegen den Tiefpunkt erreicht.

Wie bereits berichtet müssen 1000 bis 1500 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, in Summe will die AUA auf rund 6000 Beschäftigte kommen. Die von der Belegschaft bereits zugesagten Einsparungen (Gehaltsverzicht) im Volumen von 150 Millionen Euro können jetzt nach dem Vertragsabschluss mit der Lufthansa umzusetzen begonnen werden .

Kosteneinsparungen erwartet sich der Vorstand auch durch Synergien mit der Lufthansa, durch den Zugriff auf Lufthansa-Tools, wie es hieß. So macht die Lufthansa bereits jetzt den Treibstoffeinkauf für die AUA. Und sie hätte sich mit der OMV bereits auf eine Vertragsverlängerung geeinigt, hieß es bei der AUA.

All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass die AUA 2011 wieder ein operativ positives Ergebnis erzielt. Denn die EU verordnete der AUA einen Wachstumsstop bis 2015. Es sei denn, sie ist ab 2011 operativ positiv. All diese Maßnahmen zielen darauf ab, dieses Ziel zu erreichen. Denn die Alternativen sind wenig rosig: Gelingt der Turnaround nämlich nicht, dann muss die Langstrecke schrumpfen, um für das Wachstum auf der Kurz- und Mittelstrecke "Platz zu schaffen", wie Bierwirth betonte.

Weniger Langstrecke 

Konkret würden dann zwei von derzeit zehn Langstreckenfliegern am Boden bleiben. "Dann liegt aber auch die Gefahr nahe, auf sechs oder gar nur vier Langstreckenflieger zurückgehen zu müssen", kündigte Bierwirth an.

Das Passagier-Aufkommen in Wien sei begrenzt für die Langstrecke, es gebe wenig lokale Nachfrage. Die Langstrecke hänge eben von den Transferströmen ab. Und dieses "Produkt" habe einen Nachteil: Die Passagiere müssen in Wien umsteigen. Diesen Nachteil könne man nur mit einem günstigeren Preis ausgleichen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die AUA hat, das ist seit langem bekannt, ein Kostenproblem. Der Preis pro Sitz deckt die Kosten nicht. Um das zu ändern muss die Produktivität erhöht werden.

Share if you care.