Der große Wettlauf um den Grippeimpfstoff H1N1

4. Oktober 2009, 18:54
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Nur der Pharmakonzern Baxter wird Österreich mit dem H1N1-Impfstoff versorgen, die Konkurrenz kritisiert das

Wien - In den vergangenen zwei Wochen wurde beim Impfstoffhersteller Baxter auf Hochtouren gearbeitet. Zur Erinnerung: Während GlaxoSmithKline für seinen H1N1-Impfstoff Pandemrix und Novartis für Focetria bereits vor zwei Wochen die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde Emea erhalten hatte und mittlerweile bereits über die Zulassung durch die Europäischen Kommission verfügt, musste Baxter nachbessern. "Wir wollten eine genauere Dokumentation zur Sicherstellung der Herstellungsqualität, vor allem auf langfristige Sicht", erklärt Marcus Müllner von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Ages), jener Behörde, die das Verfahren von österreichischer Seite begleitet hat. Die Zulassung für Baxters Celvapan kam Freitag vergangener Woche (der Standard berichtete). "Wir freuen uns, dass die behördliche Einreichung und die vorläufigen Daten aus den klinischen Studien die umfangreiche Arbeit von Baxter rechtfertigen", sagte Hartmut Ehrlich, Vizepräsident für Globale Forschung und Entwicklung von Baxter.

Celvapan wurde in Orth/Donau in Niederösterreich entwickelt. Im Gegensatz zur Konkurrenz wird bei Baxter der Impfstoff nicht mit Hühnereiern produziert, sondern mit der sogenannten Vero-Cell-Technologie, einem Verfahren, das mit eingefrorenen Zellen operiert. Der Baxter-Impfstoff unterscheidet sich in einem weiteren Punkt von der Konkurrenz: Er enthält keine Adjuvantien, das sind pharmazeutische Hilfsstoffe, die als Wirkverstärker bei Impfungen eingesetzt werden, um die Immunantwort zu steigern.

Risiko verteilen

Sobald die Europäische Komission ihre Zulassung erteilt hat (Experten rechnen damit innerhalb der nächsten zehn Tage), kann mit der Auslieferung der Impfstoffe begonnen werden. Österreich hat einen Vorvertrag ausschließlich mit Baxter, was vor allem die Konkurrenz kritisiert. "Im Falle einer Pandemie ist es doch vor allem eine Frage der Sicherheit, das Risiko der Lieferfähigkeit bei einem Impfstoff aufzuteilen", kritisiert Hardo Fischer, Direktor für Regulatory Affairs bei GlaxoSmithKline, und meint, dass Österreich mit dieser exklusiven Strategie europaweit eine Ausnahme ist. "Dieser Vorvertrag stammt aus den Zeiten von Maria Rauch-Kallath und bringt eine finanzielle Ersparnis von fast 50 Prozent gegenüber den Impfstoffpreisen am Weltmarkt", sagt Thomas Geiblinger, Sprecher des Gesundheitsministeriums, und betont, dass das für die Krankenkassen eine erhebliche Kostenersparnis bedeutet. Die Änderung dieser Regelung sei derzeit kein Thema, so Geiblinger. Für eine Immunisierung sind zwei Impfungen innerhalb von drei Wochen erforderlich, von den 16 Millionen bestellten Dosen dürfte Österreich demnächst 300.000 erhalten. (Karin Pollack, DER STANDARD Printausgabe, 05.10.2009)

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