Keine Angst - mit vollen Hosen

4. Oktober 2009, 18:38
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Ja, Panik präsentierten ihr neues Album "The Angst And The Money" live im Flex

Wien - Ein großer Sohn des Burgenlands formulierte einst die belächelte, dabei mit seherischer Qualität versehene Einsicht: "Es ist alles sehr kompliziert." Nachgeborene Söhne des Burgenlandes bestätigen diesen Satz des im Vorjahr verstorbenen Ex-Bundeskanzlers Fred Sinowatz zurzeit nachdrücklich: die Band Ja, Panik.

Angehörige einer umkämpften Generation, die vom Spiegel abwärts bis in die geschützten Werkstätten hinein mit Zuschreibungen wie "Krisenkinder" leben müssen und denen als Opfer das Versagen der Gesellschaftspolitik vorgehalten wird. Doch während Blog-Warte im frühpensionsfähigen Alter, deren revolutionäre Eigenleistung es einst war, eine Karriere beim Staatsfunk einzuschlagen, der heutigen Jugend ihren angeblich fehlenden Willen zur Revolution vorhalten, formuliert eine Band wie Ja, Panik mit ihren unverbindlichen, in ihrer vagen Ausrichtung präzisen Texten ein reales wie emotionales Abbild der Umstände, in denen sich heutige Twentysomethings selbst erleben.

Nachdem letzte Woche The Angst And The Money, das dritte Album von Ja, Panik, veröffentlicht worden war, präsentierte es die Band am Wochenende live im Wiener Flex. Auch dabei war vieles sehr kompliziert.

Das mit der Bühnentechnik etwa, die immer wieder als Stolperstein in den drängenden Songs der fünf auftauchte. Das führte zu einigen kleinen Zwangspausen, die Sänger Andreas Spechtl mit Aufforderungen zur Rauchpause und bubenhaftem Charme überbrückte. Ansonsten spielte die Band das neue Album wie angekündigt "mehr oder weniger durch". Das darauf vorherrschende Thema der Angst, das auf der aktuellen Single auch in einer Coverversion von John Cales Fear Is A Man's Best Friend gipfelt, wurde live als durchaus partytaugliches Motiv umgedeutet. Volle Hosen, aber gut drauf.

Live wirkte der obsessive Schrammelgitarren-Rock der Band roher als auf dem Album, das mit seinen überwiegend in Deutsch gehaltenen Texten Anleihen beim zackigen New Wave der frühen 1980er-Jahre nimmt. Mehrere Hundert Besucher nahmen diese energetischen Seelen- und Generationszustandsbeschreibungen begeistert entgegen. Alles super, gute Laune everywhere. Bloß das Piano, dass live wie auf Platte gar musikschulmäßig daherkommt, würde besser wirken, wenn es sich weniger an der Form als an den Inhalten der Songs orientieren würde: mehr Verzweiflung, mehr Angst, Baby! (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 05.10.2009)

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