Die Stunde der "Ariseure"

2. Oktober 2009, 18:24
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Die unrühmliche Rolle, die der Kunsthandel bei der "Arisierung" jüdischen Vermögens gespielt hat

Ein Sittenbild aus dem Wien der Jahre 1938ff.

Berichte über Kunstwerke aus entzogenen Sammlungen, die in Versteigerungen internationaler Auktionshäuser aufgetaucht waren, sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen. Seit 1998 werden die Bestände der meisten öffentlichen Sammlungen in Österreich systematisch überprüft, um während der NS-Zeit enteignete Vermögenswerte auszuforschen und an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zurückzugeben. Auch die Provenienzforschung hat sich mit zahlreichen Ankäufen aus dem Kunsthandel auseinanderzusetzen. Die Frage, inwieweit die einzelnen Erwerbungen als bedenklich einzustufen sind, ist nur mit großem Aufwand und oft gar nicht zu klären. Zu verschlungen waren die Wege dieser Objekte, ehe sie in die jeweiligen Museen gelangten. Erschwert wird die Rekonstruktion der Provenienzen durch die Tatsache, dass Diskretion zu den grundlegenden Spielregeln der Kunsthandelsbranche zählt. Das Wien Museum hat bereits vor einigen Jahren Ankäufe aus dem Kunsthandel, bei denen die Provenienzforschung an ihre Grenzen gestoßen ist, ins Internet gestellt.

Gemäß dem Kunstrückgabegesetz von 1998 werden Kunst- und Kulturgüter aus Sammlungen des Bundes, sofern sie nachweislich aus entzogenen Vermögen stammen, auch dann zurückgegeben, wenn sie "gutgläubig" erworben worden sind. Der aus dem bürgerlichen Gesetzbuch stammende Grundsatz des "gutgläubigen Erwerbs" schützt in Österreich – im Gegensatz zu den USA – jedoch weitgehend Privatpersonen, die Objekte im Kunsthandel, besonders über Auktionshäuser, erstanden haben.

Erst seit den späten 1990er-Jahren hat sich die wissenschaftliche Forschung eingehender mit dem Schicksal enteigneter Kunstsammlungen aus jüdischem Besitz auseinandergesetzt. Gleichzeitig entstanden Arbeiten über jene Sammlungen, die führende Persönlichkeiten des NS-Regimes, allen voran Adolf Hitler und Hermann Göring, zusammengetragen und die zu einem wesentlichen Teil aus geraubtem jüdischem Eigentum bestanden hatten. Die Forschungen zur Rolle des Kunsthandels im Kontext der nationalsozialistischen Verfolgungs-, Beraubungs- und Vernichtungspolitik haben hingegen erst begonnen. Bis vor kurzem war lediglich jenen Händlern größeres Interesse zuteilgeworden, die im Auftrag des Dritten Reiches als "entartet" eingestufte und 1937 in deutschen Museen beschlagnahmte Kunstwerke gegen Devisen im Ausland veräußert hatten. Dieser Beitrag soll anhand von Fallbeispielen einen Einblick in die Vorgänge in der Wiener Kunsthandelsszene nach 1938 vermitteln.

Verschwundene Bilder

1939 musste der jüdische Musiker Hans Karanyi unter dem Druck der Verfolgung seine Wohnung in Wien-Neubau aufgeben und in eine winzige Bleibe im zweiten Bezirk übersiedeln. Die Einrichtungsgegenstände – wertvolle Möbel, Bilder und Teppiche – lagerte er gegen eine monatliche Gebühr bei der Spedition Oberndorfer ein.

Durch Zufall entdeckte Karanyi einige Monate später in der Auslage einer Kunsthandlung in der Innenstadt ein altes niederländisches Blumenstillleben, das aus seinen bei Oberndorfer deponierten Fahrnissen stammte. Wie sich herausstellte, waren bei der Spedition weitere acht Bilder und drei Perserteppiche aus Karanyis Eigentum verschwunden. Diese Vorgänge und andere Machenschaften Oberndorfers und einiger Firmenangestellter im Zusammenhang mit jüdischem Umzugsgut wurden 1939 in einem Strafverfahren vor dem Landesgericht Wien aufgerollt. Dem NS-Staat ging es dabei nicht um die Rechte der Geschädigten, sondern um die Sicherung seiner Kontrolle über das jüdische Vermögen.

Die Kunsthandlung in der Augustinerstraße, in der Karanyi sein Gemälde wiederentdeckt hatte, befand sich in dem später durch Bomben zerstörten Philipphof. Sie wurde von Sepp Neugschwandtner betrieben, der das frühere Geschäftslokal des Kunsthändlers Otto Schatzker übernommen hatte und als kommissarischer Verwalter einer weiteren Antiquitätenhandlung im selben Gebäude fungierte. Neugschwandtner war vor 1938 Kunsttischler und wiederholt arbeitslos gewesen. Nach dem "Anschluss" gelang ihm mithilfe seines Bruders Adolf, eines SA-Brigadeführers, der Einstieg in den Kunsthandel.

In den Akten finden sich zahlreiche weitere Beispiele für derartige Karrieren: Neulinge konnten sich in der Branche etablieren oder vom Trödlergewerbe in den gehobenen Kunsthandel wechseln. Viele Händler profitierten von dem Umstand, dass zahllose Verfolgte unter dem Druck der Vertreibungs- und Enteignungsmaßnahmen ihr bewegliches Gut, vor allem Kunst- und Einrichtungsgegenstände, weit unter dem tatsächlichen Wert veräußern mussten. Dies war für die Verfolgten oft die einzige Möglichkeit, um die Barmittel für die Begleichung der Reichsfluchtsteuer und der "Judenvermögensabgabe", die sich auf rund 50 Prozent des Gesamtvermögens beliefen, sowie für die Finanzierung der Auswanderung zu beschaffen.

Zu den schamlosesten Nutznießern dieser Situation zählte das Händlerduo Karoline Nehammer und Oskar Hamel. Hamels Vermögen hatte sich – wie behördliche Ermittlungen nach dem Krieg ergaben – während der NS-Zeit auf das mehr als 13-Fache erhöht, und die Spannen zwischen den Ein- und Verkaufspreisen waren exorbitant gewesen. In einem im August 1945 verfassten Bericht der Dienststelle für Vermögenssicherung im damaligen Staatsamt für Inneres heißt es zu Hamels Aufstieg nach dem "Anschluss" : "Das Geschäft war sehr bescheiden. Das änderte sich grundlegend, als der Umbruch kam. Hamel kam in Fahrt und wurde Millionär. Er besitzt heute das ehemalige Liechtensteinische Schloss Seebenstein, das er als Möbeldepot hergerichtet hat, dann ein Möbellager in der Tennishalle des Auersperg Palais, dann das Geschäft in der Piaristengasse 11 und ist Schätzmeister des Dorotheums."

Auch bei anderen Händlern scheinen Schlösser als Wohnsitz beliebt gewesen zu sein. Eugen Primavesi lebte in der Nachkriegszeit auf Schloss Tausendlust im steirischen Hitzendorf, sein Berufskollege Johannes Jantzen im dortigen Schloss Altenberg. Jantzen hatte während der NS-Zeit in Österreich Geschäfte für die Alte Deutsche Kunst GmbH in Bremen getätigt.

Auch der Händler und Schätzmeister Eugen Primavesi hatte beträchtlich von den gewaltsamen Umverteilungsmaßnahmen profitiert. Nach 1945 narrte er eineinhalb Jahrzehnte lang Anwälte und Behörden, vor allem im Zusammenhang mit wertvollen Stücken aus der Sammlung Karpeles-Schenker. Ein dem flämischen Altmeister Jan Fyt zugeschriebenes Ölgemälde, Falkner mit Hunden, wurde schließlich bei Primavesi beschlagnahmt und restituiert.

Auktionator aus dem "Altreich"

Wie Jantzen stammte auch der Auktionator Adolph Weinmüller aus dem "Altreich" . Der Münchner "arisierte" 1938 das renommierte Auktionshaus S. Kende in der Wiener Rotenturmstraße, war dort in den folgenden Jahren jedoch kaum zugegen. Vielmehr führte der österreichische Kunsthistoriker und Dorotheumsexperte Franz Kieslinger die Geschäfte. Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande 1940 folgte Kieslinger Kajetan Mühlmann, der zuvor in der Reichsstatthalterei in Wien für kulturelle Belange zuständig gewesen war, nach Den Haag. Als Mitarbeiter der "Dienststelle Mühlmann" befasste sich Kieslinger dort ausschließlich mit beschlagnahmten Vermögenswerten. Das Dorotheum, aber auch Weinmüllers Auktionshäuser in München und Wien zählten zu den Abnehmern von aus Holland stammenden Kunst- und Kulturgütern.

Nur in Ausnahmefällen kamen Deutsche wie Adolph Weinmüller als kommissarische Verwalter oder "Ariseure" zum Zug, in der Regel hingegen Österreicher. So "arisierte" Bernhard Witke, ursprünglich Möbeltischler, die angesehene Kunst- und Antiquitätenhandlung Josef Berger & Sohn in Wien-Mariahilf. Sein Kompagnon, Michael Oberhuber, war seit Jahrzehnten Angestellter dieser Firma gewesen.

Witkes Name ist untrennbar mit der "Verwaltungsstelle für jüdisches Umzugsgut der Geheimen Staatspolizei" , kurz Vugesta, verbunden. Diese von dem Spediteur Karl Herber geleitete Einrichtung organisierte im Auftrag der Gestapo ab Herbst 1940 die Verwertung von 5000 bis 6000 Umzugslifts österreichischer Juden. Gegenstände mit einem Wert von bis zu 1000 Reichsmark wurden in Freihandverkäufen veräußert, vor allem an ärmere Segmente der "arischen" Bevölkerung, wertvollere dem Dorotheum zur Auktion übergeben.

Von Beginn an florierte im Umfeld der Vugesta die Günstlingswirtschaft; besonders NS-Funktionäre profitierten. Andererseits waren Witkes Aktivitäten als Inhaber der "arisierten" Firma Berger aufs engste mit seiner Tätigkeit für die Vugesta verknüpft, wie Oberhuber bei einer Einvernahme nach 1945 berichtete: "Die Anlieferungen erfolgten von der Vugesta mittels Kraftwagen und zwar wöchentlich in drei bis vier Fuhren. Meist wurden Möbel gebracht, aber auch Glaswaren in Körben und Kisten, Porzellan, Teppiche und anderes. Auch Silberwaren und Bilder wurden von der Vugesta gebracht."

Witke führte zwar monatlich gewisse Geldbeträge an die Vugesta-Kasse ab, musste jedoch keine Rechenschaft über die einzelnen Erwerbungen ablegen. Er leitete später auch die "Möbelverwertungsstelle Krummbaumgasse", die nach dem Beginn der systematischen Deportationen die zurückgelassenen Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände aus den Wohnungen der Opfer veräußerte.

Nach Kriegsende erhielt der Sachverständige Julius Werthner den Auftrag, die in den zahlreichen Depots von Witke vorgefundenen Kunstobjekte und Antiquitäten zu schätzen. Werthner fühlte sich angesichts "der ungeheuren Menge von Dingen" , die dort bis an die Decke gestapelt waren, völlig überfordert. Obwohl sich die Herkunft der einzelnen Objekte nicht mehr rekonstruieren ließ, gelangte er zu dem Schluss, dass es fast ausschließlich "arisiertes" Gut war.

Der Großteil der in jüdischem Eigentum befindlichen Kunst- und Antiquitätenhandlungen wurde nicht "arisiert" , sondern zwangsweise aufgelöst. Im Februar 1939 bestellte die Vermögensverkehrsstelle als zentrale "Arisierungsbehörde" in Österreich den Buchprüfer Otto Faltis zum Generalabwickler für mindestens 60 Wiener Betriebe. In dem knappen Jahr, das seit dem "Anschluss" verstrichen war, hatten dort meist schon Plünderungen stattgefunden oder kommissarische Verwalter eigenmächtig Warenlager abverkauft.

Einen Teil der noch vorhandenen Bestände veräußerte Faltis in Bausch und Bogen an eine Bietergruppe in Schweden, das Gros ließ er über das Dorotheum versteigern. Bei der ersten Auktion, die im Geschäftslokal der ebenfalls aufgelösten Firma E. & A. Silbermann in der Seilerstätte stattfand, waren fast ausschließlich bekannte Vertreter der Wiener Händlerschaft als Bieter zugelassen. Was von den Einnahmen nach Abzug aller Spesen und des von Faltis beanspruchten Honorars übrig blieb, floss – ähnlich wie im Fall der Vugesta – in die Kassen des Deutschen Reiches.

Dass Faltis der zwar wichtigste, aber keineswegs einzige "Abwickler" von Antiquitätengeschäften gewesen ist, lässt sich am Beispiel des im sechsten Bezirk ansässigen Hans Fürst belegen. Dieser Händler profitierte vor allem durch die Übernahme von Warenbeständen aus liquidierten Betrieben, auch Altwarengeschäften. Zumindest in einem Fall legen die erhaltenen Dokumente nahe, dass er die Schließung des Betriebes selbst forciert hat. In einem Schreiben vom 7. Oktober 1939, das Fürsts Briefkopf und Firmenstempel trägt, dessen Urheberschaft er nach dem Krieg aber energisch bestritt, heißt es: "Der Jude Hermann Pisk betreibt nach wie vor ein ziemlich gut gehendes Altwarengeschäft. Erst seit wenigen Wochen geht es auf den Namen seiner Frau Paula Pisk, die Arierin ist. Der Jude führt aber weiter ausschließlich das Geschäft, wie wenn es nie einen Erlass Görings gegeben hätte, der den Juden das Weiterführen von Geschäften verbietet. Ist es ein arisches Geschäft, so hat der Jude darin nichts zu suchen. Ist es ein jüdisches, so gehört es zugesperrt. Ich bitte, schärfstens einzuschreiten, dass man diesen unhaltbaren Zustand beseitigt, damit wir Arier nicht von einem Juden verhöhnt werden." Wenig später wurde der Betrieb behördlich geschlossen, wobei der mutmaßliche Briefschreiber selbst die Warenbestände zur Schätzung und zum Weiterverkauf erhielt.

Einem Teil der jüdischen Kunsthändlerinnen und -händler gelang es, ins Ausland zu entkommen. Einige wenige konnten dort wieder in ihrem angestammten Berufsfeld Fuß fassen – so etwa der bekannte Galerist Otto Kallir-Nirenstein in New York oder die Brüder Fritz und Paul Wengraf in London.

Viele andere konnten ihre Heimat nicht mehr verlassen oder wurden auf der Flucht eingeholt, deportiert und ermordet. Zu ihnen zählt Salomon Kohn, der Inhaber des renommierten "Postkartenverlages Brüder Kohn" , der mit seiner Frau Gusti (Gittl) nach Theresienstadt und später Auschwitz verschleppt wurde. Der Hauptsitz seines Unternehmens im ersten Bezirk war von Otto Faltis abgewickelt, die Filiale in der unteren Mariahilfer Straße von Paul Havlu "arisiert" worden. Dieser war vor dem "Anschluss" ein kleiner Angestellter des nahegelegenen Kaufhauses Herzmansky gewesen und erhielt das Geschäft als Belohnung für seine Aktivitäten als illegaler Nazi in der Zeit vor 1938.

Opfer der Vernichtungspolitik wurde auch Albert Kende, der seit dem späten 19. Jh. hochkarätige Kunst- und Kulturgüter versteigert hatte. Sein Auktionshaus in der Kärntner Straße 4 wurde erst von Josef Gruber, dann von Ferdinand Nagler "arisiert" und spielte als "Kunst- und Auktionshaus Kärntnerstraße" während der NS-Zeit eine wichtige Rolle als Umschlagplatz für entzogene Kunst- und Kulturgüter. Hier kam etwa im Juni 1941 die mehr als 400 Objekte umfassende wertvolle Porzellansammlung von Ferdinand Bloch-Bauer unter den Hammer. Am 14. Juli 1942 wurde der 70-jährige Albert Kende nach Theresienstadt deportiert, wo er am 3. Dezember desselben Jahres ums Leben kam. Erhalten ist sein am 15. März 1941 verfasstes Testament, das er als "Euer armer, unglücklicher, vollständig gebrochener alter Albert Kende" unterzeichnete.

Nach einer Einigung mit Kendes überlebender Schwester führte Nagler nach dem Krieg das Auktionshaus in der Kärntner Straße bis in die späten 1960er-Jahre weiter. Gegenüber den Behörden rechtfertigte er sich mit denselben Argumenten wie die meisten seiner Berufskollegen: So behauptete er, die im Nazi-Österreich entzogenen Kunstgüter seien größtenteils in das damalige "Altreich" gelangt. Er verwies auf den "Führervorbehalt" , der Hitler das Erstzugriffsrecht auf die sichergestellten Objekte eingeräumt hatte, und die unter Zwang abgelieferten Edelmetalle und Juwelen, die nach Deutschland verbracht worden waren.

Tatsächlich hatte der Kunstsammelwahn der NS-Elite zum Transfer von Kunstwerken nach Deutschland geführt. Gleichzeitig aber hatte gerade diese Obsession dem Kunsthandel einen enormen Auftrieb verliehen und auch den österreichischen Händlern zusätzliche Gewinne beschert. Etliche von ihnen hatten den "Sonderbeauftragten" für Hitlers Linzer Museumsprojekt, Hans Posse und Hermann Voss, zugearbeitet. Die Zugehörigkeit zur NSDAP war keineswegs zwingende Voraussetzung, um für den "Sonderauftrag" tätig werden zu können, waren doch die Nazi-Kunstsammler auf die Expertise und Kontakte von Händlern angewiesen. In wenigen Fällen kooperierten sie sogar mit Personen jüdischer Herkunft. Ein Beispiel dafür ist Otto Schatzker, der trotz behördlicher Schließung seines Geschäfts weiter im Kunsthandel tätig sein konnte und 1941 vom Reichssippenamt überraschend zum "Arier" erklärt wurde.

Unmittelbar nach Kriegsende ermittelte die Staatspolizei unter dem kommunistischen Staatssekretär Franz Honner mit großem Nachdruck im Kunsthandelsmilieu. Doch das Beweismaterial wurde von der Justiz nur selten ausreichend gewürdigt. Wegen "missbräuchlicher Bereicherung" eingeleitete Strafverfahren wurden vielfach eingestellt oder endeten mit Freisprüchen. Die kaum entwirrbaren Netzwerke von Händlern und Museumsexperten funktionierten auch nach dem Ende der NS-Zeit reibungslos weiter: Entlastungszeugen waren rasch gefunden. Auch versuchten die Händler mit Erfolg, sich als Helfer und Retter jüdischer Verfolgter darzustellen: Sie hätten durch Ankäufe die Flucht der Betroffenen ermöglicht oder Wertgegenstände vor dem Zugriff der Gestapo in Sicherheit gebracht – oft unter Gefahr für das eigene Leben. (Gabriele Anderl, ALBUM – DER STANDARD/Printausgabe, 03./04.10.2009)

Zur Person:
Gabriele Anderl, Dr. phil., freiberufliche Wissenschafterin und Autorin, war Mitarbeiterin der Historikerkommission, Provenienzforscherin. Arbeitet an einem Projekt des Zukunftsfonds über den österreichischen Kunsthandel in der Nazi-Zeit.

  • Auktionsangebot aus einem Katalog des Jahres 1941: Das "Kunst- und Auktionshaus Kärtnerstraße"  bietet Raubgut feil.
    foto: der standard

    Auktionsangebot aus einem Katalog des Jahres 1941: Das "Kunst- und Auktionshaus Kärtnerstraße" bietet Raubgut feil.

  • Ansichtskartenkäufer in der Firma Kohn: "Bediene Dich selbst" , einen
Werbespruch des Verlages, nahmen die "Ariseure" beim Wort. Der Inhaber
Salomon Kohn, Vater des späteren Nobelpreisträgers Walter Kohn, wurde
enteignet, mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert und ermordet.
    foto: privatarchiv

    Ansichtskartenkäufer in der Firma Kohn: "Bediene Dich selbst" , einen Werbespruch des Verlages, nahmen die "Ariseure" beim Wort. Der Inhaber Salomon Kohn, Vater des späteren Nobelpreisträgers Walter Kohn, wurde enteignet, mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert und ermordet.

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