Methadon soll Hirntumor-Patienten helfen

4. Oktober 2009, 10:06
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Kombination aus Opioiden und Chemotherapeutikum besonders erfolgversprechend

Heidelberg - Methadon gegen bösartige Hirntumore: Einen vielversprechenden neuen Therapieansatz mit dem Heroin-Ersatzstoff verfolgen derzeit Wissenschafter des Universitätsklinikums Ulm. "Opioide wie Methadon sind in der Lage, auch Hirntumore zu zerstören", sagte Claudia Friesen vom Uni-Institut für Rechtsmedizin. Erste Studienergebnisse zeigten, dass vor allem eine gleichzeitige Gabe von Methadon und einem Chemotherapeutikum sehr erfolgversprechend sein könnte.

Hirntumore werden derzeit in erster Linie operativ entfernt und bestrahlt. Aber auch Chemotherapien werden eingesetzt. Zu Beginn der Behandlung sprechen die Patienten nach Angaben der Deutschen Krebshilfe meist gut auf die Medikamente an. Allerdings treten laut Friesen nach einiger Zeit oft Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff auf: Der Tumor wachse weiter und könne nicht mehr bekämpft werden. Zusätzlich litten diese Patienten sehr stark unter den Nebenwirkungen der hoch dosierten Chemotherapeutika.

Gesunde Zellen verschont

Erste Hinweise auf ihren neuen Therapieansatz erhielten die Ulmer Wissenschafter aus der Leukämieforschung: Das Opioid Methadon, das bei Heroinabhängigen gegen Entzugserscheinungen eingesetzt wird, wirke hier schädigend auf bösartig veränderte Blutzellen. "Entscheidend ist, dass gesunde Blutzellen durch Opioide nicht zerstört werden", erläutert Friesen.

Bei der gleichzeitigen Gabe von Methadon und einem Chemotherapeutikum werde bei Hirntumor-Patienten einerseits der programmierte Selbstmord der Krebszellen ausgelöst, ohne gesunde Zellen anzugreifen. Andererseits mache Methadon Tumorzellen, die gegen Chemotherapie und Bestrahlung resistent geworden seien, wieder für die Behandlung empfindlich, sagt die Medizinerin.

In Deutschland erkranken Schätzungen zufolge jährlich etwa 5.000 bis 6.000 Menschen an einem Tumor, der vom Gehirngewebe ausgeht. Am häufigsten sind die besonders bösartigen Glioblastome, die sich hauptsächlich im Großhirn ansiedeln und überwiegend Menschen über 45 Jahren betreffen, Männer doppelt so häufig wie Frauen. Die Patienten haben mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von rund drei Prozent eine ausgesprochen schlechte Prognose. (APA)

 

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