"Direktoren brauchen Managementkompetenz"

1. Oktober 2009, 17:40
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ÖAAB-Chef Spindelegger wünscht sich Schuldirektoren als Manager und Lehrer, die nicht immer an der gleichen Schule bleiben

Wien - Die ÖVP-Arbeitnehmer (ÖAAB) feilen nach dem Wechsel an der Spitze von Fritz Neugebauer zu Michael Spindelegger gerade an ihrem neuen Programm. Vor allem im Bildungsbereich war dem ÖAAB in der Vergangenheit eine große Nähe zu den Lehrergewerkschaftern vorgehalten worden.

Im Standard-Interview skizziert Spindelegger nun die künftige Marschrichtung und schlägt zum Teil auch neue Töne an. Er kann sich Möglichkeiten vorstellen, dass Lehrer auch zwischen den einzelnen Schultypen wechseln. "Man muss nicht vom ersten bis zum letzten Tag AHS-Lehrer bleiben." Dass eine solche Änderung von allen Lehrern abgelehnt wird, glaubt er nicht. "Das ist eine Generationenfrage. Jüngere Lehrer wünschen sich größere Abwechslung." Eine zweite Möglichkeit, mehr Karrieremöglichkeiten im Schulsystem zu schaffen, wäre für ihn, das System der Fachvorstände, das es in HTLs gibt, auszuweiten.

Aber auch die Stärkung der Schuldirektoren, für die auch Ministerin Claudia Schmied (SP) plädiert, wünscht sich der ÖAAB-Chef und Außenminister. "Sie brauchen mehr Managementkompetenz. Sie müssen die Lehrkräfte motivieren, aber auch kontrollieren." Daher bräuchten die Direktoren bessere Instrumente, "um einzugreifen, wenn die Qualität nicht stimmt". Auf die Frage, ob die Direktoren auch Kündigungen aussprechen können sollen, will er sich nicht festlegen. "Das könnten etwa Schulungsmaßnahmen oder Disziplinarmaßnahmen sein, darüber werden wir noch reden."

Einen vollkommenen Paradigmenwechsel wird es in der Bildungspolitik unter Spindelegger aber offenbar nicht geben. Das flächendeckende Umsetzen der Neuen Mittelschule mit gemeinsamem Unterricht für alle Zehn- bis 14-Jährigen ist für den ÖAAB-Chef "nicht das Hauptanliegen". "Es muss auch in Zukunft eine Differenzierung geben, weil man nicht alle über einen Leisten scheren kann."

Wenn man die Entscheidung über den Schultyp bis zum 14. Lebensjahr verlagere, "ist das noch keine Antwort auf die Probleme". Spindelegger: "Es geht viel stärker darum, wie ich einem Elternteil früh genug erklären kann, was der beste Schultyp für das Kind ist."

Überstunden auslagern

ÖVP-intern forcieren will Spindelegger die ÖAAB-Forderung nach Einführung eines Zeitwertkontos. Die Arbeitnehmer sollen sich demnach aussuchen können, ob ihre geleisteten Überstunden ausbezahlt oder auf ein ausgelagertes Konto - vergleichbar mit Mitarbeitervorsorgekassen - einbezahlt werden. Für die Arbeitgeber würde sich nichts ändern, die Arbeitnehmer seien aber flexibel, wann sie das Geld abrufen, meint Spindelegger. Zwei Drittel der Bevölkerung würden ein solches Modell begrüßen, beruft sich der ÖAAB-Chef auf eine aktuelle Umfrage.

Demnach wären auch 85 Prozent für ein "Erfolgsgeld" für Arbeitnehmer - eine weitere ÖAAB-Forderung. Was damit gemeint ist? "Bisher gab es nur Boni für Manager. Künftig wollen wir ein Erfolgsgeld für alle engagierten Mitarbeiter."

Forciert werden soll diese Art von Mitarbeiterbeteiligung über steuerliche Anreize. Der Freibetrag pro Mitarbeiter - derzeit rund 1400 Euro - solle ausgeweitet werden.

Zu diesen Schwerpunkten wird am Freitag ein "Sozialforum" abgehalten. Dort soll auch über Verbesserungen für atypisch Beschäftigte gesprochen werden. Spindelegger überlegt, diese Beschäftigungsformen zeitlich zu begrenzen. Im Arbeitsrecht soll festgeschrieben werden, dass solche Verträge nur für "bestimmte Tätigkeiten" infrage kommen. Auch sozialrechtliche Verbesserungen für Freie sind Thema. "Urlaub ist solch ein Beispiel. Den braucht jeder Mensch. Wir wollen ja nicht, dass alle früher oder später mit einem Burnout-Syndrom herumlaufen."

Kein Tabuthema ist für Spindelegger auch das Streichen der Spekulationsfrist bei Aktiengeschäften. Derzeit sind die Aktiengewinne nur steuerpflichtig, wenn der Verkauf innerhalb eines Jahres erfolgt. Die letzte Regierung war sich über das Streichen der Frist bereits einig, ÖVP-Chef Josef Pröll zeigte sich bisher aber ablehnend. Spindelegger ist gesprächsbereit: "Das ist durchaus ein diskussionswürdiger Vorschlag. Einer von vielen." Man dürfe sich aber nicht zu viel erwarten: "Das wird nicht das große Geld bringen. Aber man kann darüber beim Forum reden." (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2009)

  • Außenminister und ÖAAB-Chef Michael Spindelegger kann sich im
Gegensatz zu ÖVP-Parteichef Josef Pröll ein Streichen der
Spekulationsfrist bei Aktiengewinnen vorstellen.
    foto: cremer

    Außenminister und ÖAAB-Chef Michael Spindelegger kann sich im Gegensatz zu ÖVP-Parteichef Josef Pröll ein Streichen der Spekulationsfrist bei Aktiengewinnen vorstellen.

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