Mit dem Barhocker zum Frisör

1. Oktober 2009, 18:30
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Das quartier 21 zeigt Design aus sechs zentraleuropäischen Ländern

Gäbe es hierzulande eine Jahreszeit des Designs, Wien stünde derzeit in vollster Blütenpracht. Hier und dort und an gut 50 anderen Orten der Stadt blüht und sprießt es im Rahmen der Vienna Design Week, dass einem schwindlig werden könnte.

Pünktlich zu diesen Designfestspielen eröffnete am Dienstag auch im quartier 21 des Museumsquartiers die Ausstellung Real World Laboratory - Central European Design, in der auf gut 400 Quadratmetern zwölf Designprojekte aus sechs mitteleuropäischen Ländern gezeigt werden. Die Schau ist der Ausstellungserstling der neuen Programmreihe freiraum quartier 21 International in Kooperation mit dem Ministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (siehe Artikel rechts).

Die Spezies, die sich in diesem Teil des urbanen Designgartens zeigen, sind mannigfaltig und reichen von purem, aber farbenprächtigem Industriedesign wie dem Langlaufschuh des Slowenen Jure Miklavc bis hin zu Dejana Kabiljos PrettyPretty, einem Möbelentwurf, der Freunde der experimentellen Form wie schon lang nicht mehr schmunzeln lässt. Kabiljo verpasste drei Barhockern eine bodenlange Barbie-Haarpracht als eine Art Sitzbezug. Die Vorderseite des blonden Haarteils wurde sogar mit Stirnfransen bedacht.

Charakteristische Bereiche

Die Gegenüberstellung von experimentellem und industriellem Design ist Teil des Konzepts der Kuratorinnen Czeslawa Frejlich und Magda Kochanowska, die in dieser Schau Design als intellektuelles Experimentierfeld mit ökonomischer Designarbeit in Dialog bringen wollen. Ebenfalls Teil der Idee ist es, jeweils für eine Region charakteristische Objektbereiche zu zeigen: Aus Österreich gibt's Möbel zu sehen, dazu zählen neben Kabiljos haariger Sache das perfekt durchdachte Küchenprojekt b2 des Gestaltertrios Eoos.

Die Slowakei wurde mit dem Thema Transportmittel bedacht, Slowenien darf zeigen, was es in Sachen Schuhe drauf hat, Ungarn zeigt zwei Ideen zum Thema Baumaterial, Polen Beleuchtung und Tschechien freilich Glas und Porzellan. In letzterem Bereich ließ man Jakub Berdych und Maxim Velcovský ran. Velcovský dürfte vielen noch von seinem Lobmeyr-Projekt im Rahmen der Vienna Design Weeks 08 bekannt sein.

Wer sich fürchtet, angesichts des derzeit herrschenden Angebots an Design nicht über die Runden zu kommen, dem sei, zumindest was diese Schau betrifft, Entwarnung gegeben. Dieser Teil des großen Wiener Designgartens wird noch bis 20. November gegossen (täglich von 10 bis 19 Uhr). (Michael Hausenblas, DER STANDARD/Printausgabe 2.10.2009)

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