"Milan im Tal der Tränen"

1. Oktober 2009, 14:02
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Katzenjammer im Lager der Rossoneri nach Heimpleite gegen FC Zürich - Trainer Leonardo angezählt, Fans machen Vereinsführung für Misere verantwortlich - Madrid feiert Ronaldo, Manchester feiert Giggs

Mailand/Madrid - Während Manchester United, Real Madrid und Chelsea in der Champions League unbeirrbar in Richtung Achtelfinale marschieren, herrscht in Mailand Katzenjammer. Mit einer 0:1-Heimniederlage gegen den FC Zürich sorgte der AC Milan am Mittwochabend unfreiwillig für die große Überraschung in der Fußball-Königsklasse. Im Land des Weltmeisters nahm man die Niederlage des siebenfache Meistercup- und Champions League-Siegers gegen den vermeintlichen Punktelieferanten mit gewohnter Theatralik zur Kenntnis: "Aufgegeben - Milan im Tal der Tränen", titelte die "La Gazzetta dello Sport".

Pfeifkonzert

Trainer Leonardo, seit Sommer für den zu Chelsea abgewanderten Carlo Ancelotti im Amt, scheint bereits nach wenigen Spielen unter seiner Ägide angezählt. Offensiv zu wenig durchschlagskräftig haben die Rossoneri in acht Spielen in Liga und Champions League erst fünf Tore erzielt. Vor eigenem Publikum reichte es gar erst für einen Treffer. Die wenigen Zuschauer im spärlich gefüllten San Siro quittierten die Leistung gegen "die Bande, die gegen Real Madrid fünf Tore kassierte" (Gazzetta) wenig überraschend mit einem Pfeifkonzert. Club-Boss Silvio Berlusconi war ebenfalls maßlos enttäuscht. "Dieses Milan ist ein Desaster, ich leide mit den Fans", sagte Italiens Premierminister.

Durchhalteparolen

Die Tifosi machen weniger den Coach als die Vereinsführung für die durchwachsenen Leistungen verantwortlich. Diese habe den Verkauf des brasilianischen Superstar Kaka zu Real Madrid nicht ausreichend kompensieren können. Leonardo wollte sich nach dem Match zu diesbezüglichen Journalisten-Fragen nicht äußern und gab Durchhalteparolen aus.

"Müssen nach vorne schauen"

"Ich habe diesen Job übernommen und ich mache, an was ich glaube. Niemand hat ein Gewehr an meinen Kopf gehalten, damit ich diese Rolle einnehme. Aber sicherlich haben wir im Moment nicht das nötige Selbstvertrauen", meinte der Ex-Milan-Profi und vormalige Sportdirektor der Mailänder. Milans Geschäftsführer Adriano Galliani bemühte sich, keine Trainer-Diskussion aufkommen zu lassen: "Ich kann nur nochmals bestätigen: Wir halten Leonardo die Treue. Wir müssen nach vorne schauen."

Standing ovations im Bernabeu

Den beiden Aufeinandertreffen mit den Mailändern beruhigt entgegenblicken kann indes Real Madrid. Bei den Königlichen herrschte nach einer Sieben-Minuten-Gala der beiden Superstars Cristiano Ronaldo und Kaka beim 3:0 gegen Olympique Marseille Hochstimmung. Vor allem der portugiesische 94-Millionen-Einkauf überzeugte mit zwei Treffern und einem herausgeholten Elfmeter und bot damit den Beweis, dass Geld offenbar doch Erfolg bringt. Unter Standing ovations der Zuschauer im Bernabeu-Stadion verließ die "Tormaschine" ("Marca") Ronaldo in der 70. Minute das Spielfeld. Jedoch nicht ganz freiwillig: Nach dem Elferfoul von Diawara war der Knöchel des Superstars malträtiert, eine Pause im Liga-Spiel gegen Sevilla steht im Raum.

Immer wieder Giggs

Traditionell stark präsentierten sich in der Champions League auch die Teams aus der englischen Premier League. Chelsea kam mit minimalem Aufwand auch im zweiten Spiel der Gruppe D zu einem 1:0-Erfolg. Manchester United ging trotz Rückstands mit einem 2:1 gegen VfL Wolfsburg auch nach 22 Heimspielen in der Millionenliga nicht als Verlierer vom Platz. Ins Rampenlicht spielte sich dabei zum wiederholten Mal Routinier Ryan Giggs mit einem Freistoßtreffer (59.) sowie einem Assist beim entscheidenden Tor durch Michael Carrick (78.).

814 Einsätze, 150 Tore

"All die Lobeshymnen, die er über die Jahre gehört hat...es gibt nichts hinzuzufügen, er ist einfach ein absolut wunderbarer Spieler", meinte Sir Alex Ferguson über seinen Evergreen und Kapitän. Der 35-jährige Waliser traf gegen den deutschen Meister in seinem 814. Einsatz für die "Red Devils" zum 150. Mal. Dies gelang vor ihm nur acht Profis. "Wunderbar", titelte da auch die "Daily Mail".

Zufriedenheit in Bayern

Keinen Sieger erlebte der vermeintliche Schlager zwischen Bayern München und Juventus Turin. Beim 0:0 in München fehlten den Bayern nur der goldene Schuss ins Glück, weshalb der strenge Trainer Louis van Gaal in seiner Amtszeit "noch nie so ein gutes Bayern gesehen" haben wollte. Über die vergebenen Chancen wollte sich der Niederländer nicht ärgern: "Wenn wir so spielen, ist das eine Frage der Zeit."

Die italienischen Medien bejubelten hingegen Juves Abwehr-"Mauer", feierten wie die "Gazzetta dello Sport" einen "goldenen Punkt". "Wir sind nicht ganz zufrieden", sagte Ex-Bundesliga-Profi Diego, "aber in der Gruppe ist alles offen." Mit nur zwei Punkten aus zwei Spielen scheint der Club von Alexander Manninger in den anstehenden Spielen aber gefordert. (APA/Reuters/Si)

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    Bilder der Verzweiflung aus Mailand (Ronaldinho), Teil eins...

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    Teil zwei...(Pato, Pirlo und Kaladze)

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    Teil drei...(Zambrotta)

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    Beste Stimmung auf Seiten des FC Zürich...

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    "Tormaschine" Cristiano Ronaldo und Kaka brachten das Bernabeu beinahe zum Überkochen.

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    Immer wieder im Rampenlicht: ManUnited-Urgestein Ryan Giggs.

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