Ex-Mafiaboss wird Mitbesitzer einer Privatuniversität in Belgrad

1. Oktober 2009, 12:27
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Ljubisa Buha war einer der Kronzeugen im Djindjic-Mordprozess

Belgrad - Ein ehemaliger Belgrader Mafiaboss und geschützter Zeuge im Prozess gegen die Mörder des serbischen Premiers Zoran Djindjic wird nun Mitbesitzer einer Privatuniversität in der serbischen Hauptstadt. Wie mehrere Medien am heutigen Mittwoch berichteten, hat Ljubisa Buha "Cume" die Anteile eines der Mitbesitzer der ältesten Privatuniversität "Singidunum" erworben und ist somit zum 70-prozentigen Teilhaber geworden.

Milovan Stanisic, der Rektor der Universität, die in den 90-er Jahren von Funktionären der damals regierenden Sozialistischen Partei von Slobodan Milosevic gegründet wurde, bestreitet jedoch die Angaben Buhas über den Erwerb der Mehrheitsanteile. Es handle sich um eine Lüge, die darauf abziele, das Ansehen der Universität zu ruinieren, sagte Stanisic gegenüber der Tageszeitung "Blic".

Der Verkäufer der Universitätsanteile, Milan Stamatovic, behauptet das Gegenteil. Das oberste Gericht habe ihm per Beschluss vor drei Monaten die strittigen Anteile an der Universität zurückerstattet, die er nun an den einstigen Mafioso verkauft habe.

Buha, einst Chef der Mafia im Stadtviertel Surcin, hatte im Februar 2003 den Ermittlern Informationen über zahlreiche Entführungen und Morde des Zemun-Clans, einer anderen mit ihm zerstrittenen Mafia-Gruppe, geliefert. Die Zemun-Mafia hatte wenige Tage später zusammen mit Angehörigen der Sonderpolizei-Einheit "Rote Barette" das Attentat auf Djindjic verübt.

Von Buha hatte die Polizei zuvor auch wichtige Informationen über den Mord an dem serbischen Ex-Präsidenten Ivan Stambolic und den Mordanschlag auf den Oppositionschef Vuk Draskovic im Sommer 2000 erhalten, an welchen ebenfalls Angehörige der "Rote Barette" beteiligt waren. Seine Aussagen durften auch für die rasche Festnahme der Mörder von Zoran Djindjic im März 2003 ausschlaggebend gewesen sein. Der Hintergrund der Ermordung des serbischen Premiers ist bisher nicht vollständig aufgeklärt worden. (APA)

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