Schülerinnen zündeten Kopftuch von Mitschülerin an

30. September 2009, 16:34
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Schulverweis, weil sich Mädchen nicht entschuldigen wollten - Direktorin: Auslöser waren "persönliche Differenzen" kein "religiöses Motiv"

Graz - Aufregung um die Attacke auf eine 15-jährige muslimische Schülerin herrschte am Mittwoch in der Fachschule für wirtschaftliche Berufe der Caritas der Diözese Graz-Seckau. Zwei Schülerinnen haben in der Vorwoche bei einem Ausflug das Kopftuch des Mädchens angezündet. Laut der Direktorin der Schule könne ein religiöses Motiv ausgeschlossen werden, es gehe um "persönliche Differenzen".

Die beiden Schülerinnen nicht muslimischen Glaubens hätten ihre muslimische Mitschülerin im Rahmen eines Ausfluges zuerst bedrängt und dann das Kopftuch angezündet, meldete der ORF Steiermark am Mittwoch. "Das angesengte Tuch brannte glücklicherweise nicht weiter", so Schmied. Die Schulleitung habe erst am nächsten Tag von der Mutter der Schülerin von dem Übergriff erfahren und der Mutter nahegelegt, eine Anzeige zu machen. Gegen die beiden beschuldigten Mädchen ist mittlerweile der Schulverweis ausgesprochen worden. Wie es von der Caritas als Schulbetreiberin Mittwochmittag hieß, habe die Direktorin diese Maßnahme ergreifen müssen, weil eine zuvor vereinbarte Entschuldigung nicht eingehalten worden sei. In der Stellungnahme wurde unterstrichen, dass der Vorfall von der Caritas entschieden verurteilt werde.

Schulverweis, weil sich Mädchen nicht entschuldigen wollten

"Die beiden Täterinnen wollten sich bei ihrer Mitschülerin vor der versammelten Klasse entschuldigen, sie haben dies aber nicht getan. Da das Ziel der Einsicht nicht erreicht werden konnte, blieb mir als letzte Konsequenz nur der Schulverweis", wurde die Schulleiterin Evelyn Awad in der Aussendung zitiert. Die Direktorin betonte gleichzeitig, dass sich die Caritas-Einrichtung im Bereich Integration ein starkes Profil erarbeitet habe: "Gerade jetzt, wo viel über Gewalt von Jugendlichen diskutiert wird, wollen wir hier vor bestehenden Spannungen nicht kapitulieren, sondern aktiv an Lösungen arbeiten." Dies setze natürlich voraus, dass die Beteiligten dazu auch bereit seien.

20 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrud

Bei der Fachschule für wirtschaftliche Berufe der Caritas handelt es sich um eine Schule, die sich die Integration auf ihre Fahnen geschrieben hat. "Unser Lern- und Schulklima ist geprägt durch interkulturelles Miteinander, individuelle Förderung und die Bereitschaft miteinander zu arbeiten. Akzeptanz und Wertschätzung untereinander sind uns wichtig", heißt es im Leitbild. Laut Direktorin werden vier verschiedene Formen von Religionsunterricht angeboten und immer wieder in speziellen Projekten an der interkulturellen und interreligiösen Kompetenz gearbeitet. Auch sei an der Schule eine Sozialpädagogin tätig. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund liege bei rund 20 Prozent. Im konkreten Fall sei auch der an der Schule tätige islamische Religionslehrer eingebunden sowie der schulpsychologische Dienst zurate gezogen worden.

Der Vorfall müsse als "Weckruf" verstanden werden, erklärte die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Carla Amina Baghajati, in einer Aussendung: "Wenn Schülerinnen das Kopftuch einer Klassenkameradin anzünden, sind alle roten Linien überschritten." Bedenklich stimme, dass die muslimische Schülerin sich zunächst nicht den Lehrerinnen anvertraute. Sie hätte wohl geahnt, dass sie ausgegrenzt und gemobbt werden würde.

Seitens der Grünen forderte Bildungssprecher Harald Walser den massive Ausbau der Schulsozialarbeit. Gewaltprävention müsse im Schulalltag verankert werden, das Lehrpersonal brauche dabei professionelle Unterstützung.(APA)

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