Ex-Kurienkardinal Castrillon Hoyos attackiert Bischof von Stockholm

24. September 2009, 23:35
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Will von Holocaust-Leugnung durch Williamson erst nach Aufhebung der Exkommunikation erfahren haben

 

München - Der frühere Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos hat dem katholischen Bischof von Stockholm, Anders Arborelius, Verleumdung vorgeworfen. Dessen Behauptung, Rom bereits Ende 2008  über die Haltung des Traditionalisten-Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson informiert zu haben, sei "eine Verleumdung", sagte der 80-Jährige in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

"Ich bedauere diese unseriöse Äußerung sehr, denn sie ist falsch (...) Wir speichern alle Dokumente, die wir bekommen, in digitaler Form. Bischof Arborelius sollte also sagen, wie, wem und wann er das mitgeteilt hat, und ob das schriftlich oder mündlich geschah."

Empörung

Arborelius hatte am Mittwoch erklärt, den Heiligen Stuhl schon im November 2008 über eine vorbereitete schwedische Fernsehsendung mit den Äußerungen des Pius-Bruders zum Holocaust informiert zu haben. Williamson hatte mit der Leugnung weltweit Empörung ausgelöst. Diese Sendung wurde am 21. Jänner ausgestrahlt, genau an dem Tag, an dem Benedikt die Exkommunikation von vier Pius-Bischöfen, darunter Williamson, aussetzte. Der Vatikan hat wiederholt betont, dass der Papst von den Äußerungen des abtrünnigen Bischofs zuvor nichts gewusst habe.

Hoyos leitete bis Juli 2009 die für den Dialog mit den abtrünnigen Traditionalisten zuständige Päpstliche Kommission "Ecclesia Dei". Inzwischen hat sie der Papst der Glaubenskongregation unterstellt und deren Präfekten William Joseph Kardinal Levada zum Präsidenten bestellt.

Hoyos wies im Interview auch die Darstellung zurück, die von ihm damals geleitete Ecclesia-Kommission hätte von Williamsons Holocaust-Leugnen wissen müssen. Hoyos sagte, er habe von Williamsons Äußerungen erst am 5. Februar 2009 erfahren, zwölf Tage nach der Aufhebung der Exkommunikation am 21. Jänner. Als die Entscheidung des Papstes öffentlich wurde, habe niemand im Vatikan von dem Interview gewusst,"und keiner hatte die Pflicht, es zu wissen".

Hoyos betonte, die Verhandlungen mit den Piusbrüdern hätten sich um kirchenrechtliche, nicht inhaltliche Fragen gedreht. Seine Aufgabe sei es gewesen, eine Kirchenspaltung zu verhindern. (APA)

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