US-Bürger vor Anschlägen gewarnt

24. September 2009, 21:19
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Auch österreichisches Außenministerium weist auf Terrordrohungen hin - Steinmeier: Kein Anlass für Reisewarnung

Berlin/Washington/London/Wien - Die US-Regierung hat ihre Bürger vor möglichen Terroranschlägen in Deutschland vor und nach der Bundestagswahl gewarnt. Angesichts der jüngsten Terrordrohungen von Al-Kaida hat das Außenministerium in Washington zu besonderer Vorsicht aufgefordert. Deutsche Sicherheitsbehörden betonten am Donnerstag nach anderslautenden Medienberichten, es gebe zwar eine erhöhte Gefährdungslage, aber nach wie vor keine konkreten Hinweise auf Anschläge in Deutschland. "Ich habe keinen Anlass für solche Reisewarnungen feststellen können", unterstrich Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

In dem Reisehinweis Washingtons vom Mittwoch heißt es: "Al-Kaida hat kürzlich ein Video veröffentlicht, in dem insbesondere vor Anschlägen in Deutschland gewarnt wird." Unmittelbar vor und nach der Bundestagswahl vom Sonntag sei daher besondere Vorsicht geboten. Die Warnung ("travel alert") gilt bis zum 11. November.

"Möglichst unauffällig zu verhalten"

Neben Großbritannien wies auch Österreich Deutschland-Reisende auf die Terrordrohungen hin. "Da die Warnungen ernst zu nehmen sind, wird Reisenden nach Deutschland derzeit geraten, sich möglichst unauffällig zu verhalten, die aktuellen Nachrichten zu verfolgen und bei Besuchen von öffentlichen Plätzen oder bei der Auswahl von Hotels und Restaurants Wachsamkeit walten zu lassen", lautete die am Donnerstag aktualisierte Reiseinformation auf der Homepage des Außenministeriums. Die Mitteilung aus Wien ist wie jene aus Washington keine explizite Reisewarnung.

London weist auf eine "generelle Bedrohung durch Terrorismus in Deutschland" hin, aber auch auf die jüngsten Al-Kaida-Drohungen. Anschläge könnten auch auf öffentliche Plätze, die ausländische Touristen besuchten, gerichtet sein. Die deutschen Behörden riefen daher zur Wachsamkeit auf, teilte das britische Außenministerium mit.

Ende vergangener Woche waren zwei an Deutschland gerichtete Drohvideos des Terrornetzwerks Al-Kaida im Internet aufgetaucht. Der Deutsch-Marokkaner und Islamist Bekkay Harrach kündigt darin Anschläge für den Fall an, dass die deutschen Wähler am Sonntag nicht mehrheitlich für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan stimmen. Erstmals wurde dafür auch ein Zeitraum genannt, nämlich die zwei Wochen nach der Wahl.

Die deutsche Bundesregierung setzt seit einigen Tagen ein Konzept schärferer Beobachtung neuralgischer Punkte um, bei dem unter anderem mehr Polizei- und Sicherheitsbeamte etwa an Bahnhöfen oder Flughäfen eingesetzt werden. Das Innenministerium warnte jedoch vor Panikmache. "Es gibt keinen Grund zur Panik", sagte ein Sprecher am Donnerstag in Berlin. Es gebe eine "abstrakte Gefährdung", das belegten die Drohbotschaften. Das werde ernst genommen, und die Sicherheitsbehörden täten das, was sie könnten.

Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) widersprach Berichten über unmittelbar bevorstehende Anschläge an Flughäfen oder in U-Bahnen. Es gebe "weder konkrete Hinweise noch entsprechende Meldungen des US-Geheimdienstes CIA", dementierte ein Sprecher auf Anfrage einen anderslautenden Bericht der "Bild"-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe).

Diese hatte zuvor berichtet, dass die Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland offenbar akuter als bisher bekannt sei. Die Bundespolizei habe nach der Verschärfung ihrer Präsenz auf Bahnhöfen auch die sogenannte Vorfeld-Überwachung aller großen deutschen Flughäfen ausgeweitet. Hintergrund seien neue Geheimdienst-Warnungen vor einem Anschlag möglicherweise auf eine Passagier-Maschine mit Boden-Luft-Raketen, schrieb "Bild". Als besonders bedroht gelte der Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt am Main. Laut "Bild" fing der US-Geheimdienst CIA in den vergangenen Wochen zahlreiche Funksprüche des Terrornetzwerks Al-Kaida ab. (APA/AP/Reuters)

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