144 Festnahmen in zwei Wochen

18. September 2009, 21:08
304 Postings

"Powerplay“ im Untergrund: Polizei abschreckender als Videoüberwachung

Wien – Die Videoüberwachung in U-Bahnen hat sich als eher nutzlos gegen das mobile Geschäft mit illegalen Drogen erwiesen. In den vergangenen Monaten haben Deals zwischen zwei Stationen trotz Kameras in den Zügen stark zugenommen, weshalb die Polizei seit Anfang September täglich bis zu 140 Beamte in Uniform und in zivil U-Bahnfahren lässt. Freitag wurde eine erste Zwischenbilanz vorgelegt: 3367 Fahrgäste kontrolliert, 144 davon festgenommen. 

"Fahrgäste fühlen sich sicherer"

Neben fliegenden Händlern für Heroin, Kokain und Cannabis wurden auch Taschendiebe und zwei Juwelierräuber geschnappt. 23 Personen, die in U-Bahnbereichen kontrolliert wurden, hatten keine gültigen Aufenthaltspapiere. Landespolizeikommandant Karl Mahrer spricht von einem erfolgreichen „Powerplay“. Vor allem der verstärkte uniformierte Auftritt der Polizei habe bewirkt, dass Dealer und deren Kunden bestimmte U-Bahnen jetzt meiden. „Und Fahrgäste fühlen sich sicherer“, ist Mahrer überzeugt.

Zivile Beamte sind hauptsächlich als Späher unterwegs. Auch Wolfgang Preiszler vom Landeskriminalamt zeigt sich zufrieden: „Es ist gelungen, den Suchtgifthandel aus dem Untergrund wieder mehr an die Oberfläche zu bringen.“ Jetzt muss nur noch verhindert werden, dass sich irgendwo eine neue Szene manifestiert. Permanente Verdrängung ist durchaus erwünscht. „Wir können den Drogenhandel nicht zum Erliegen bringen, aber wir können ihn empfindlich stören und eindämmen“, so Mahrer.

Die Metro-Cops werden zentral koordiniert, Einsatzleiter Werner Granig konzentrierte sich zuletzt auf die U4 und die U6. Die kleine, überschaubare Karlsplatz-Szene, in der hauptsächlich mit Tabletten und Drogenersatzmitteln gedealt wird, gehört nicht zum Einsatzgebiet der Undergroundfahnder. ( Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 19./20.9.2009)

Share if you care.