Unausgegorene Weltveränderer

14. September 2009, 15:59
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Positionen österreichischer DesignerInnen im Design Space bis 26. Oktober

Wien - Sie sind keine "Cute Puppies" mehr, die jungen österreichischen DesignerInnen, die bis zum 26. Oktober im Design Space des MAK ausstellen - aber sie stehen noch am Beginn ihrer Laufbahn. "Wenn man das Experiment wagt, im Design nicht die Heroen zu zeigen, dann braucht man einen wirklich guten Kurator", erklärte Museumsdirektor Peter Noever die von Omar Vulpinari zusammengestellte Schau. 

Vergoldete Scheiße und anderes

Einige der 14 DesignerInnen haben selbst in Fabrica gelernt und gearbeitet, die Handschrift eingängiger, frecher Bilder tragen sie jedenfalls: Da wird ein ganzes Kaffeehaus mit Torten und Tellerchen aus genähtem Filz eingerichtet, ein Stück Scheiße vergoldet und auf einem roten Samtpölsterchen präsentiert, schwarze Kochtöpfe auf Beine aus Henkeln und Kochlöffelstielen wie kleine Küchenmonster gesetzt und Mobelstücke in Überzüge aus Haaren gehüllt. Letztere Arbeit mit "Sitzköpfen" zwischen Fetisch und Hawaii-Optik haben ein Hotel in Beverly Hills bereits überzeugt und ziehen dort als Sitzgelegenheiten ein.

Auflockerung in der Digi-Welt

Durchaus gebrauchswürdig wären auch die Hardware-Elemente im Tiefgeschoß: iBook, Mousepad und Tastatur, aber auch Post-It und sonstiges Schreibtischzubehör sind hier in weiche Stoffpölsterchen eingenäht. Fotos darüber dokumentieren die Nutzung: Bei Übermüdung am Arbeitsplatz kann der Kopf schon mal für ein Nickerchen auf den (gut gepolsterten) Schreibtisch sinken. Von Johanna Nock stammt auch die Plakatserie "Suicidal Objects" mit vermenschlichten Gegenständen, die versuchen, sich umzubringen - wie ein Luftballon in Handform, deren Finger eine Stecknadel auf sich selbst richten.

Spielhölle im Obergeschoß

"Alles noch unausgegoren", lautet das kritisch-wohlwollende Urteil von Peter Noever, "um die Welt zu verändern, brauchen sie noch ein wenig. Aber was schon erkennbar ist, ist die Tendenz zur Kunstinstallation und zu Neuen Medien." Im Obergeschoß hat sich etwa die "Spielhölle" eingerichtet, mit einem "Discomatic", einem Computerspiel samt Kopfhörern, Fußmatte und Tanzanweisungen und dem niedlichen "Miku", einem kleinen digitalen Hündchen, mit dem man direkt über die Hand am Bildschirm spielen kann. Und der als einziges Objekt und einziges Wesen in der Schau tatsächlich als "Cute Puppy" durchgeht. (APA)

Cute Puppies. Young Austrian Designers."
Bis 26. Oktober, Di 10-24 Uhr, Mi-So 10-18 Uhr
MAK Design Space, www.mak.at

  • Artikelbild
    foto: mak
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