Mindestens 22 Tote bei Schiffsunglück am Ohrid-See

6. September 2009, 12:55
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Bulgarische Touristen betroffen - Ausflugsschiff kenterte 300 Meter vor dem Ufer

Skopje - Bei einem Schiffsunglück in Mazedonien sind am Wochenende 15 bulgarische Urlauber ums Leben gekommen. Nach Angaben der mazedonischen Regierung sank das Ausflugsschiff mit bulgarischen Touristen an Bord am Samstag aus noch ungeklärter Ursache auf dem Ohrid-See an der Grenze zu Albanien. Die bulgarische Regierung sprach den Opfern ihr Beileid aus und kündigte für Montag einen landesweiten Trauertag an.

Die bulgarischen Behörden in Sofia bestätigten, dass es sich bei allen Toten um Bulgaren handelt, darunter ganze Familien. Insgesamt seien 55 bulgarische Touristen an Bord gewesen. Am Sonntag wurden noch zwei der vier teils schwer verletzten Passagiere in einem Krankenhaus in Ohrid behandelt. Unter den Verletzten war auch der 23-jährige mazedonische Kapitän des Schiffes, der nach dem Unglück zunächst für tot gehalten worden war. Nach Angaben der Polizei in Ohrid wurde er nach Verlassen des Krankenhauses am Sonntag für 30 Tage in Polizeigewahrsam genommen.

Das Schiff war am Samstag gegen 11.00 Uhr etwa 200 Meter vom Ufer entfernt aus zunächst ungeklärter Ursache gesunken. Ein Augenzeuge sagte, es sei innerhalb von nur 30 Sekunden untergegangen. Von einem nahe gelegenen Zeltplatz eilten zahlreiche Urlauber den Schiffbrüchigen zu Hilfe. "Alle klammerten sich an Holzstücke und Bojen", sagte Ivan, einer der Überlebenden, dem bulgarischen Radio. "Dann kamen Urlauber auf einem Boot und haben uns gerettet."

Bulgarien sagte alle für Sonntag geplanten Feiern zum Tag der Einheit ab. In der Kathedrale in Plowdiw wurde eine Trauermesse abgehalten, an der auch Bulgariens Präsident Georgi Parwanow teilnahm. Für Montag kündigte Sofia einen landesweiten Trauertag an, in Mazedonien wurde bereits der Sonntag zum Trauertag deklariert.

Der mazedonische Verkehrsminister Mile Janakievski trat nach der "schrecklichen Tragödie" aus "moralischen Gründen" zurück. Das 1924 in Deutschland erbaute Schiff war laut Janakievski in technisch gutem Zustand und für 53 Passagiere zugelassen.

Parwanow sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und dankte den Urlaubern, die den Schiffbrüchigen zur Hilfe geeilt waren. Parwanow schloss einen Defekt am Steuerruder als Unglücksursache nicht aus. Er traf wie sein mazedonischer Kollege George Ivanov und Mazedoniens Ministerpräsident Nikola Gruevski Stunden nach dem Unglück an dem Ort rund 200 Kilometer südwestlich von Skopje ein.

Der See und die Stadt Ohrid gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. Mittelalterliche Ruinen in den Städten entlang des Ufers des Ohrid-Sees und gute Badegelegenheiten machen den See zu einem beliebten Ausflugsziel für jährlich zehntausende Urlauber. Mit einer Tiefe von 286 Metern ist er der tiefste See der Balkanhalbinsel. (APA)

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    Das Schiff liegt im Ohridsee auf Grund

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