Life-Ball-Fantasien unter dem Ring

4. September 2009, 18:37
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Die Albertinapassage soll neu verpachtet werden - Der ÖVP schwebt ein Life-Ball-Shop vor, Gery Keszler ist von Idee angetan

Wien - Die Albertinapassage unter dem Opernring verströmt seit Jahren charmante Tristesse. Die beiden Telefonzellen sind mit knallgelben Holzbrettern verschlossen, die Toiletten sind versperrt, allfällige Besucher werden an die WCs in der Opernpassage verwiesen. In der 1500 Quadratmeter großen Anlage bei der Staatsoper hat sich seit der Eröffnung im Jahr 1964 architektonisch wenig verändert. Ein Souvenirgeschäft hat noch geöffnet und verkauft die Postkarten, Wien-Häferl und T-Shirts um 30 Prozent billiger ab. Ein weiteres Lokal dient einem Antiquitätenhändler als Lager, alle übrigen Geschäfte stehen leer.

Die Stadt Wien sucht nun einen neuen Pächter. Bis 30. September läuft noch die Ausschreibung. Vorgaben: Der künftige Inhaber soll eine "qualitätsvolle, touristisch und ästhetisch attraktive Nutzung umsetzen". Man habe das Konzept absichtlich offen gelassen, erläutert Michael Kremser von der MA4 (Finanzen) im Gespräch mit dem Standard. "Es gibt jedenfalls reges Interesse an dem Infopaket", einige Einreichungen lägen auch bereits vor. Kremser: "Die Stadt möchte das Areal als Ganzes verpachten, auch die Investitionskosten soll der Pächter übernehmen."

Raum für "Aushängeschild"

Einen Vorschlag für die künftige Nutzung der Albertinapassage hat nun die Wiener ÖVP gemacht. Den Stadt-Schwarzen schwebt eine Art Life Ball Flagshipstore vor. "Die Albertinapassage hat das Potenzial, ein ganz besonderer Ort zu werden", sagte die nichtamtsführende Stadträtin Isabella Leeb am Freitag. Gery Keszler habe mit dem Life Ball eine zukunftsweisende Trademark und ein Aushängeschild für Wien geschaffen. Leebs Konzept enthält neben einer Beratungsstelle einen Shop, in dem Mode der Life-Ball-Designer verkauft wird, und ein "Life Café" für Veranstaltungen. Das Merchandising für den Ball könnte ebenfalls erweitert und das ganze Jahr über angeboten werden, so die VP-Politikerin. Außerdem gäbe es dadurch die Möglichkeit, Arbeitsplätze für HIV-positive Menschen zu schaffen.

Bloß ist die allfällige Finanzierung des Projektes völlig offen, auch Kostenschätzungen seien derzeit "unrealistisch". Leeb spielt den (Life) Ball an die Stadt zurück - bei einem Elf-Milliarden-Budget sollte es Kapazität geben, befindet die VP-Stadträtin. Keszler selbst stehe jedenfalls "voll hinter dem Projekt".

Im Büro des zuständigen Stadtrates Rudolf Schicker (SP) wollte man den VP-Vorschlag am Freitag nicht kommentieren. "Die Ausschreibung läuft noch bis 30. September, zu laufenden Verfahren, sagen wir nichts", so ein Sprecher.

"Die Idee, die Albertinapassage durch eine Einrichtung für Tagesaktivitäten in dieser touristischen Lage zu nutzen, ist meiner Meinung nach zu begrüßen", ließ Keszler am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme ausrichten. Er sei sehr erfreut, dass Aids Life, der Veranstalter des Life Balls, dafür in Betracht gezogen werde. Keszler weiter: "Der Verein Aids Life wäre darüber hinaus verpflichtet, sich zu überzeugen, dass dies ein überparteiliches Projekt ist." (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6. September 2009)

  • Die letzten Mieter werden Ende September die Albertinapassage räumen - Die Stadt sucht nun Pächter, die Wiener ÖVP würde unter dem Opernring gerne einen Life-Ball-Shop verwirklicht sehen
    der standard/robert newald

    Die letzten Mieter werden Ende September die Albertinapassage räumen - Die Stadt sucht nun Pächter, die Wiener ÖVP würde unter dem Opernring gerne einen Life-Ball-Shop verwirklicht sehen

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