Putsch-Oberst Seineldin gestorben

3. September 2009, 13:16
1 Posting

Nationalistisch-katholische "Carpintadas" rebellierten zweimal gegen Ahndung von Verbrechen der Militärdiktatur

Buenos Aires - Der argentinische Putsch-Oberst Mohamed Alí Seineldin ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Der frühere Chef der rechtsgerichteten "Carapintadas" (geschwärzte Gesichter) erlag am Mittwoch in der Hauptstadt Buenos Aires einem Herzinfarkt, berichteten nationale Medien.

Seineldin hatte 1988 und 1990 zwei der insgesamt drei Militäraufstände nationalistisch-katholischer Kreise gegen die gewählten Präsidenten Raul Alfonsín sowie Carlos Menem angeführt. Dabei wehrten sich die Soldaten vor allem dagegen, dass viele ihrer Kameraden für die Verbrechen während der Militärdiktatur (1976-1983) zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Auch gegen Seineldin wurde deshalb ermittelt.

2003 begnadigt

Zunächst leitete er den Aufstand vom 4. Dezember 1988 in der Kaserne Villa Martelli. Dabei starben zwei Zivilisten und ein Polizist. 40 Menschen wurden verletzt. Seineldin wurde inhaftiert. 1989 entließ ihn Menem zusammen mit den meisten anderen Carapintadas aus dem Gefängnis.

Nach einem weiteren Aufstand am 3. Dezember 1990, bei dem die Putschisten bis in die unmittelbare Nähe des Präsidentenpalastes in Buenos Aires vorrückten und 13 Menschen getötet sowie 30 verletzt wurden, erhielt Seineldin eine lebenslange Haftstrafe. Seit seiner Begnadigung 2003 lebte er unauffällig. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mohamed Alí Seineldin im April 1991 bei einer Gerichtsverhandlung wegen seines versuchten Putsches am 3. Dezember 1990.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Seineldin war dekorierter Veteran im Falklandkrieg 1982.

Share if you care.