Ermittlungen gegen Schriftsteller und Techniker gefordert

2. September 2009, 10:05
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Für Ex-Briefbomben-Ermittler Rudolf Huber ist der Frauenmörder Otto Rudolf B. Komplize von Franz Fuchs - Für die Justiz bisher kein Grund für Nachforschungen

Die Einzeltätertheorie in der Briefbombencausa wird immer unwahrscheinlicher. Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht in ihrer heute Mittwoch erscheinenden Ausgabe Teile der bisher unbekannten Justiz-Akte, die der Wochenzeitung von einem Informanten zugespielt wurde.

Ex-Briefbomben-Sonderermittler bringt Anzeige ein

Am 26. Juni 2008 verfasste der Ex-Briefbomben-Sonderermittler Rudolf Huber eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Er belastet darin den am 30. September 1973 wegen Mordes verurteilten Schriftsteller Otto Rudolf B. und dessen Freund, einen mittlerweile verstorbenen Techniker namens Walter H.. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat Huber und den „Schriftsteller und Studenten B." daraufhin im Oktober 2008 einvernommen. Weitere Ermittlungen wurden aber nicht angeordnet. Nicht einmal die Opfer wurden informiert oder zu B. befragt, wie die Akte zeigt. 

"Wir wurden mundtot gemacht"

Ich kannte diese Vorwürfe nicht", sagt etwa die Volksanwältin Terezija Stoisits, vom Falter mit den Akten konfrontiert: „Aber der Sache muss man nachgehen. Ich halte es für äußerst unwahrscheinlich, dass Franz Fuchs ein Einzeltäter war."  Auch ehemalige Gutachter in dem Fall, etwa der Historiker Herwig Wolfram, emeritierter Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, fordern Untersuchungen: „Irgendwann hat man uns ja alle für verrückt erklärt, weil wir nicht an die Einzeltäterthese glauben wollten. Wir wurden mundtot gemacht."

Voraussetzungen für Bombenserie

Die erste Bombenserie, so Huber, habe genau 20 Jahre nach der Verurteilung von B. begonnen. Der Rechtsextremist B., so der zentrale Vorwurf Hubers,„bringt sämtliche ideologischen, literarischen und universitären Voraussetzungen und Kenntnisse als Verfasser der Bekennerschreiben mit sich. B. besaß persönliche oder schriftliche Kontakte oder Bezüge zu verschiedenen Empfängern der Briefbomben oder der fingierten Absender. Auch die Anwesenheit im Umfeld verschiedener Tatorte ist erwiesen. Es besteht insgesamt eine derartige Fülle an markanten Übereinstimmungen und Parallelen zwischen den Hintergründen verschiedener Anschläge, sowie Inhalten von Bekennerschreiben und Otto Rudolf B. und dessen Publikationen, wie sie nur auf das ideologische Bombenhirn und den Verfasser zutreffen können". 

Huber behauptet in den Verhören, der Verdächtige Braun befinde sich in einem Dilemma: „Ich habe den Eindruck, dass er sich outen möchte. Jedoch dass er dies erst dann wirklich tun will, wenn er nicht mehr hafttauglich ist. Bis dahin so glaube ich, bin ich (Huber) der einzige Strohhalm, von dem er sich erhofft, dass eine von ihm bekundete Täterschaft bekannt wird." 

Täterprofil

B. erklärte zu den Vorwürfen Hubers, dass sie  Hubers ein „Kaas" seien. Huber sei ein „Narr", der ihm 3000 Euro geboten habe, wenn er ein Geständnis ablege. Doch es stimme, dass er sich immer wieder mit ihm treffe, um über den Fall zu reden. Nach einem dreistündigen Interview mit dem Falter sagt B. dann: „Ich würde mich gerne mit dem Kriminalpsychologen Thomas Müller unterhalten. Denn sein Täterprofil war falsch. Es traf nicht auf Fuchs zu, sondern eher auf mich." Thomas Müller sagt zum Falter: „Ich habe mit Herrn B. nicht gesprochen und habe auch nicht vor, es zu tun." (red)

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