Fast soviele Hinrichtungen wie in China

1. September 2009, 21:05
posten

Amnesty International: Tausend Todeskandidaten in Iraks Gefängnissen

Bagdad - In irakischen Gefängnissen haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im Juli etwa tausend Häftlinge auf ihre Hinrichtung gewartet. Viele von ihnen seien durch Folter zu Geständnissen gezwungen worden, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Organisation, die darin auch mangelnde Transparenz bei der Vollstreckung der Todesstrafe im Irak beklagt. Die irakischen Behörden nahmen zu dem Bericht nicht Stellung. Ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sprach jedoch von mehr als 800 zum Tode verurteilten Gefangenen. Zur Zeit gebe es etwa zehn Hinrichtungen pro Woche.

Ein Mitarbeiter eines Gefängnisses in Bagdad, der ebenfalls anonym bleiben wollte, sagte, alle sieben oder acht Tage würden zehn bis 15 Gefangene hingerichtet. Damit wäre der Irak nach China das Land mit der weltweit zweitgrößten Zahl an Exekutionen. In der Volksrepublik war laut Amnesty 2008 die Todesstrafe an 1.700 Menschen vollstreckt worden.

Eine am Dienstag veröffentlichte Statistik verstärkte unterdessen die Sorge um eine weitere Verschlechterung der Sicherheitslage im Irak. Demnach kamen im August 456 Menschen ums Leben, so viele wie seit Juli 2008 nicht mehr. Über 1.700 Zivilisten, Polizisten und Soldaten wurden außerdem verletzt. Zum Teil ist die hohe Zahl auf den verheerenden Doppelanschlag auf Ministerien in Bagdad vom 19. August zurückzuführen, bei dem etwa hundert Menschen starben. Im Juli lag die Zahl der Getöteten mit 275 jedoch deutlich niedriger. (APA)

 

Share if you care.