Vietnam: Katholischer Blogger wegen Regierungskritik verhaftet

1. September 2009, 15:55
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Priester prangert "Vorführung" von "reumütigen" Dissidenten im Staatsfernsehen an - Keine Amnestie für Nguyen Van Ly

In Vietnam geht die Regierung weiter gegen Katholiken vor. Bereits in der Vorwoche wurde laut der römischen Nachrichtenagentur "AsiaNews" ein katholischer Taufbewerber in der Erzdiözese Hanoi festgenommen. Er soll im Internet die katholikenfeindliche Haltung der staatlichen Presse kritisiert haben. Kirchenkreise in Vietnam rechnen mit weiteren Verhaftungen katholischer "Blogger", zitierte Kathpress. Zudem kommt einem Medienbericht zufolge der vietnamesische Priester und demokratische Dissident Thaddäus Nguyen Van Ly neuerlich nicht in den Genuss der jährlichen Amnestie zum Nationalfeiertag am 2. September.

"Gewissensgefangener"

Der katholische Priester zeige bisher "keine Reue", wurde laut der Webseite "Vietcatholic" vonseiten des Justizministeriums erklärt. Der 65-jährige Pfarrer hat wegen seines Eintretens für Demokratie insgesamt 15 Jahre im Gefängnis verbracht. Zuletzt wurde Nguyen Van Ly, der von Amnesty International als "Gewissensgefangener" geführt wird, 2007 als Mitglied der Demokratiebewegung "Bloc 8.406" 2007 zu acht Jahren Haft verurteilt. Knapp 5.500 Gefangene werden im Rahmen der diesjährigen Amnestie freigelassen.

Kein Rechtsanwalt

Im Juli hatten 37 US-Senatoren bei Staatspräsident Nguyen Minh Triet die Freilassung des Priesters gefordert. Dem Priester sei ein Rechtsanwalt verweigert worden; während des Prozess hätten ihn Wärter gewaltsam gehindert, sich zu äußern. Nicht zuletzt wegen der erneuten Verurteilung und Inhaftierung von Nguyen Van Luy hat das US-Außenministerium Vietnam in seinem Jahresbericht zur weltweiten Religionsfreiheit als "besonders besorgniserregendes Land" eingestuft.

Rede verzerrt wiedergegeben

Der nun festgenommene Taufbewerber hatte in seinem Blog eine verzerrte Wiedergabe der Rede angeprangert, die Papst Benedikt XVI. anlässlich des Ad-limina-Besuchs der Bischöfe Vietnams Ende Juni im Vatikan gehalten hatte. Die staatliche Presse hatte die päpstliche Verlautbarung als Kritik an der katholischen Kirche in Vietnam interpretiert.

Angespanntes Verhältnis zwischen Staat und Kirche

Das Verhältnis zwischen Staat und katholischer Kirche in Vietnam ist seit längerem äußerst angespannt. Im Mittepunkt der Auseinandersetzung stand zuletzt die künftige Nutzung der Kirchenruine von Tam Toa in der Stadt Dong Hoi. Die lokale Verwaltung hat gegen den Willen der Pfarrgemeinde, die das von den US-Amerikanern zerstörte Gotteshaus wiederaufbauen will, mit Räumungsarbeiten begonnen, um an dieser Stelle einen Park zu errichten. Zuvor hatten insgesamt mehrere Hunderttausend Katholiken gegen die Pläne der Verwaltung protestiert. Die Miliz ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor.

Die kommunistische Nomenklatura fürchtet offenbar ein Zusammengehen zwischen der katholischen Kirche und der Demokratiebewegung. So hatte im August der Priester Pierre Pham Van Loi aus der Erzdiözese Hue im Gespräch mit "AsiaNews" die "Vorführung" von "reuigen" Dissidenten im staatlichen Fernsehen angeprangert. Bei der Sendung am 19. August waren zehn Minuten lang fünf verhaftete Dissidenten gezeigt worden, die ihre "Verbrechen gegen den Staat" einbekannten und um Milde baten. Tags darauf wurden die "Bekenntnisse" der fünf Dissidenten in großer Aufmachung in der staats- und parteinahen Presse veröffentlicht. (APA)

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