Trumpf und Triumphator der Linkspartei

31. August 2009, 18:50
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Oskar Lafontaine siegt mit der Linken im Saarland - Ministerpräsident will er aber nicht werden - Die kleine Bühne an der Saar ist nur Mittel zum Zweck

Besser hätte es für Oskar Lafontaine nicht laufen können. Fulminant zugelegt hat seine Linke im Saarland, aber Gott sei Dank - die SPD liegt noch ein paar Punkte vor ihr. Man stelle sich vor: Lafontaine wäre stärker geworden als die SPD und hätte dann tatsächlich wieder Ministerpräsident in seiner politischen und privaten Heimat werden "müssen". Welch ein Graus! Die kleine Bühne an der Saar interessiert Lafontaine schon lange nicht mehr - sie ist nur Mittel zum Zweck, und der lautet: Demütige die SPD, wo du nur kannst.

66 Jahre alt ist Lafontaine, Begriffe wie "Pension" oder "Ruhestand" kennt er nicht - abgesehen von Momenten, in denen er den Sozialdemokraten in diesem Zusammenhang "unsoziale Politik" vorwerfen kann. Geprägt haben ihn - ähnlich wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder - die ärmlichen Verhältnisse seiner Kindheit. Die Mutter, eine Kriegerwitwe, musste sich abrackern, um ihre Zwillinge durchzubringen. Mit 17 - er besucht gerade ein katholisches Internat - tritt Lafontaine in die SPD ein. Gleiche Chancen für alle, dieses Motto wird sein Lebensthema.

Doch in den nächsten Jahrzehnten, in denen Lafontaine zum Oberbürgermeister von Saarbrücken, zum Ministerpräsidenten des Saarlandes, zum SPD-Chef und zum Finanzminister aufsteigt, geht es niemals allein um die Sache. Immer geht es auch um Lafontaine.

Er liebt die große Bühne und das große Wort. 1990, als er bei einem Attentat schwer verletzt wird, pausiert er nur kurz, macht dann weiter. Unvergessen der SPD-Parteitag 1995 in Mannheim, wo er gegen SPD-Chef Rudolf Scharping putscht und den Saal mit einer Rede umdreht.

Doch dann wird Schröder Kanzler, und an ihm beißt sich Lafontaine die Zähne aus. Da ist einer stärker und durchsetzungsfähiger als er selbst. Alphatier "Oskar", wie er im Saarland genannt wird, wirft frustriert hin und zieht sich zurück.

Die Linkspartei, die sich ab 2005 formiert, ist seine zweite Chance. Dort wird er nicht annähernd so verehrt wie in seiner saarländischen Heimat. Aber er gilt als Kopf der Bewegung, während sein ostdeutsches Pendant Gregor Gysi für das Herzerwärmende zuständig ist. Die Linken wissen: Ohne "Lafo" hätten sie im Westen keine Chance, dort ist er ihr alleiniger Trumpf. Nur eines will Lafontaine nicht mehr: wirklich in Berlin regieren. Lieber legt er den Finger in die Wunden der Sozialdemokraten, die noch heute an Schröders Reformen leiden. Denn Lafontaine weiß ganz genau: Alles fordern und versprechen kann man nur in Opposition. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2009)

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    Die kleine Bühne an der Saar interessiert Lafontaine schon lange nicht mehr - sie ist nur Mittel zum Zweck, und der lautet: Demütige die SPD, wo du nur kannst.

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