Burgenländisches Votum fürs Schengenland

31. August 2009, 17:51
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Bei einer Volksbefragung in Lutzmannsburg sprach sich die Mehrheit für die Grenzöffnung für Pkws aus

Lutzmannsburg - Knapp zwei Jahre nach der endgültigen Grenzöffnung kehrt im Burgenland allmählich doch der Schengenalltag ein. Nach und nach und da und dort werden die alten Verkehrswege zum und vom Nachbarn nun auch für den Autoverkehr geöffnet. Zum guten Teil unter heftigen Diskussionen in den Dörfern.

In Ungarn hat diese burgenländische Allmählichkeit zu teilweise heftiger Kritik geführt, selbst in Budapest wurde das Zögern des Nachbarn kritisch wahrgenommen. Besonders im Visier war die mittelburgenländische Gemeinde Lutzsmannsburg. Dort steht nämlich die riesige "Sonnentherme" , die auch von vielen Ungarn gern und häufig besucht wird, direkt an der Grenze. Die freilich darf nur zu Fuß oder per Rad passiert werden.

Neue Straße

Am vergangenen Sonntag haben die Lutzmannsburger nun ihren diesbezüglichen Willen kundgetan. Bei einer Volksbefragung sprach sich die überwältigende Mehrheit für die Grenzöffnung für Pkws aus. Um das Thermen- und Hotelgebiet verkehrsmäßig nicht zu belasten, wird nun, zum Teil auf bestehenden Feldwegen, eine neue Verbindungsstraße errichtet.

Für den schwarzen Bürgermeister Günther Toth ist die Volksmeinung "ganz in meinem Sinn" . Denn "wir leben mitten in Europa, jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte ungestraft und ungehindert nach Ungarn fahren können" . Und, no na, von Ungarn kommen. Diesbezüglich laufen Planungen beim Nachbarn. Mit EU-Hilfe wird dort ein Straßenstück errichtet werden, wodurch auch das ungarische Nachbardorf Zsira umfahren wird.

An sich eine unbedeutende Geschichte, gewiss. Aber doch auch Labsal für das zuletzt ein wenig zerrüttete österreichisch-ungarische Verhältnis. Und ein kleines Zeichen auch dafür, dass die so oft gehörte, von so manchem Medium inspirierte Politikeraussage "Die Bevölkerung will das nicht" so nicht ganz zutrifft. (wei/DER STANDARD-Printausgabe, 1.9.2009)

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