Kriegsende nicht abzusehen

30. August 2009, 19:51
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Ab Montag stehen jede Menge Filme und Dokus auf dem Programm

Im Jahr 2008 wurden laut der Universität Hamburg 40 Kriege geführt. 300.000 Kindersoldaten sind laut Unicef derzeit im Einsatz. Seit 1996 gab es allein im Kongo 5,4 Millionen Kriegstote. Angesichts solcher Zahlen wäre es nicht schlecht, im angebrachten Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 stärker mit einfließen zu lassen, was nicht daraus gelernt wurde.

3sat hatte diese Idee und versucht mit der Schwerpunktwoche Nie wieder Krieg? das Thema allgemeiner zu begreifen. Ab Montag stehen bei diesem wahren öffentlich-rechtlichen Sender nicht nur Filme und Dokus zu Aspekten des Zweiten Weltkriegs auf dem Programm (heute Dokus über die Rolle der Stadt Danzig und des Partisanendorfs Plessa), sondern auch zeitgeschichtlich näher liegende Beiträge. Angefangen beim Prozess gegen Saddam Hussein über die deutschen Truppen in Afghanistan bis zum ausufernden Missbrauch der Psychiatrie im Krieg und zur Tragik kongolesischer Kindersoldaten. Die Filmsatire Wag the dog (Robert de Niro, Dustin Hoffman) spitzt das seit den Weltkriegen daueraktuelle Thema der Kriegspropaganda im Medienzeitalter zu. Der Untergang lässt Bruno Ganz drastisch ausmalen, wie der Überfall auf Polen in letzter Konsequenz für den Führer ausging.

Solches Schwerpunktkonzept nimmt nicht zuletzt jenen den Wind aus den Segeln, die die Hitler-Vergangenheit für erledigt halten, für ein Ende des Gedenkens plädieren und damit den Einfluss des großen Krieges auf weitere Konflikte, auf die europäische Gesellschaft, auf Friedenskonzepte und -institutionen ignorieren. Unter diesem Gesichtspunkt ist es eigentlich noch zu wenig, was 3sat bietet. Programm unter www.3sat.de. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 31.8.2009)

  • Kindersoldaten im Kongo.
    foto: 3sat

    Kindersoldaten im Kongo.

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