"Ehrfurcht vor den Opfern"

28. August 2009, 19:16
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Kardinal Schönborns Vater war auf der richtigen Seite

Wien/Schruns - Die eigene Familiengeschichte war für Kardinal Schönborn mit ein Grund, den Ehrenschutz über die Ausstellung "Was damals Recht war" zu übernehmen. "Im Oktober 1944 ist mein Mann, Hugo Graf Schönborn, in Belgien zusammen mit einem Flamen zu den Engländern übergelaufen" , erinnert sich Eleonore Schönborn, die in Schruns lebende Mutter des Kardinals.

Der Schritt ihres Mannes habe sie nicht überrascht, schreibt sie in einer Stellungnahme zur Ausstellung. Denn "vom Tag unserer Heirat - 1942 in Prag - an hat mein Man mir gesagt, dass er dies tun werde, wenn die Chance sich ergäbe, eine englische Truppe zu finden." Die Gründe für diese Haltung habe sie mit ihm geteilt: "Wir waren schon damals überzeugt, dass Hitler ein Verbrecher war und dass es richtig sei und dass es das Gewissen gebiete, möglichst wenig für diesen Krieg zu tun." Hugo Schönborn wollte deshalb nie deutscher Offizier werden. In der sudetendeutschen, deutschnational gestimmten Gesellschaft hätten ihn seine Ansichten, so Eleonore Schönborn, zum Außenseiter gemacht.

Es gehe nicht darum, die Täter von damals noch einmal zu verurteilen, schreibt Christoph Schönborn zur Ausstellung, sondern "den Opfern von damals Ehrfurcht zu erweisen" . Wie dem Bauern und Mesner Franz Jägerstätter, der sein Leben für seine Überzeugung hingegeben habe. (jub, pm/DER STANDARD-Printausgabe, 29./30. August 2009)

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