Naturfreunde verschenken Hochgebirgsschule

28. August 2009, 18:44
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Das alpine Ausbildungszentrum der Naturfreunde in Kaprun wird abgerissen - Das Gelände wird der Verbundgesellschaft zur Renaturierung gratis überlasse

Salzburg - Es ist das Ende einer der traditionellsten Einrichtungen des österreichischen Alpinismus: Die Hochgebirgsschule der Naturfreunde in Kaprun (Pinzgau) wird in diesem Herbst für immer geschlossen. Die Einrichtung war nicht nur eine klassische Ausbildungsstätte für angehende Bergsteiger, sie wurde vor allem auch durch ihre Aktivitäten im Bereich "Kinderbergsteigen und Kinderseilschaften" weltberühmt.

Die Bundesorganisation der Naturfreunde habe "am Standort Mooserboden kein nachhaltiges, alpintechnisches, wirtschaftliches und vereinspolitisch vertretbares Zukunftsszenario" gesehen, heißt es in einer den Medien übermittelten Erklärung des SPÖ-nahen Alpinvereins. Die schriftliche Stellungnahme ist auch eine Reaktion auf zahlreiche Proteste gegen die Schließung. Neben anderen hat sich der langjährige Leiter des Sicherheitskreises des Deutschen Alpenvereins, Pit Schubert, für den Erhalt der Einrichtung engagiert.

Das Vereinspräsidium führt in erster Linie wirtschaftliche Überlegungen an: In den vergangenen zehn Jahren sei "ein Verlust von insgesamt 108.000 Euro" erwirtschaftet worden. Darüber hinaus eigne sich der Standort der in den 1960er-Jahren vom legendären Wiener Alpinisten Fritz Moravec gegründeten Bergsteigerschule nicht mehr für Ausbildungszwecke. Man sei mit "einem massiven Gletscherrückgang und mit Permafrostproblemen" konfrontiert. Eine Darstellung, der von Fachleuten massiv widersprochen wird. Schubert beispielsweise spricht von einem "Ausbildungsstützpunkt wie im Bilderbuch".

Um dem Verein möglichst Kosten zu ersparen, haben sich die Naturfreunde-Chefs mit der Verbundgesellschaft, die in Kaprun die gleichnamige Kraftwerksgruppe mit den Speicherseen Wasserfall- und Mooserboden betreibt, auf eine De-facto-Schenkung geeinigt: "Wir überantworten dem Verbund das Grundstück mit den Baulichkeiten, dieser trägt alle Objekte ab und renaturiert das Grundstück."

Verbunden im Verein

Die Naturfreunde würden sich so 150.000 Euro Abbruchkosten ersparen, wird argumentiert. Dass der Energiekonzern diese Kosten nicht ohne Hintergedanken übernimmt und die Höhenburg in den Naturzustand zurückführt, räumt Naturfreunde-Generalsekretär Reinhard Dayer ein. Das Gelände werde bei der Umweltverträglichkeitsprüfung für den Bau eines weiteren Pumpspeicherkraftwerks (Limberg III) als "ökologische Ausgleichsfläche" benötigt, so Dayer im Standard-Gespräch.

Dies sei auch der wahre Grund für die Schließung, vermuten Kritiker. In der heimischen Alpinistenszene kursieren Mails, die darauf hinweisen, dass die Verbundgesellschaft mit dem Vorstandsdirektor der Austrian-Power-Grid AG, Heinz Kaupa, auch im Naturfreunde-Präsidium Sitz und Stimme habe. Kaupa ist gleichzeitig stellvertretender Bundesvorsitzender der Bergsteigerorganisation.

Naturfreunde-Sekretär Dayer reagiert empört: Das Präsidium sei "demokratisch gewählt" und "es gibt kein Berufsverbot", verteidigt er Kaupas Rolle. Die ausverhandelte Lösung sei sogar "ein Glücksfall für die Naturfreunde". Die von Schulleiter Karl Ölmüller und einer Privatinitiative vorgelegten Rettungskonzepte hätten jedenfalls "weder Hand noch Fuß" gehabt. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30. August 2009)

  • Immobilie auf über 2100 Meter Seehöhe: Auf der Höhenburg zwischen den beiden Sperren des Stausees Mooserboden geht heuer die letzte Saison der Naturfreunde-Hochgebirgsschule zu Ende
    der standard/verbund

    Immobilie auf über 2100 Meter Seehöhe: Auf der Höhenburg zwischen den beiden Sperren des Stausees Mooserboden geht heuer die letzte Saison der Naturfreunde-Hochgebirgsschule zu Ende

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