"Paraflows" hackt die Stadt

27. August 2009, 13:31
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Rasenroboter und "4chan"-Gründer in Wien - Festival setzt sich mit "Urban Hacking" auseinander

Ein Rasenroboter, der Botschaften in Wiesen in öffentlichen Parks mäht. Eine Containerstadt mitten am Karlsplatz. Und Geruchs-Graffiti: Das Festival "paraflows" für Digitale Kunst und Kulturen (10.-20.9.) in Wien setzt sich in seiner vierten Ausgabe mit künstlerischen und gegenöffentlichen Eingriffen in den urbanen Raum auseinander.

"Urban Hacking"

Insbesondere wird unter dem Motto "Urban Hacking" die "Rolle der digitalen Medien bei der Erforschung, Hinterfragung und Gestaltung der öffentlichen Infrastruktur" im Zentrum stehen, hieß es am heutigen Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Das Festival bringt dafür einen Gast nach Wien, den zwar kaum einer kennt, der aber eine einflussreiche Online-Persönlichkeit ist, wie Johannes Grenzfurthner von der Künstlergruppe monochrom schilderte: "moot" nennt sich der Gründer jenes anonymen Subkultur-Imageboards "4chan", auf dem zahlreiche Internethypes wie etwa die "Lolcats" geboren wurden (und das wegen seiner völligen Anonymität auch eine unüberschaubare Menge an umstrittenen Inhalten birgt).

"Meme"

Derartige Online-"Hits" werden als "Meme" bezeichnet, das sind sich rasant weiterreitende Ideen oder Bilder, die sich (analog zu Genen) u.a. durch Internetforen gleichsam "fortpflanzen" und vervielfältigen - eine Eigenschaft, die auch das virale Marketing für sich nützen will. "Lolcats" etwa, Katzenbilder, die mit Sprüchen in eigentümlichem Englisch versehen werden und gerne per Email weitergeschickt wurden. "moot" soll nun in Wien beim "paraflows"-Symposium (11. bis 13.9., RaumD im MuseumsQuartier) erläutern, wie man ein derartiges "Meme" kreiert. Ebenfalls Thema werden Flashmobs (das sind kurze semi-theatrale Massenszenen) als Eingriff in den öffentlichen Raum, eine "Urban Pilgrims Tour" an die entlegensten Winkel der Stadt und "Smell Graffiti" sein, schilderte Festivalleiter Günther Friesinger.

Containerstadt

Letztere überraschen an unerwarteter Stelle im Stadtraum mit ungewöhnlichen Düften. Das Festival greift mit der Containerstadt gegenüber des Künstlerhauses auch selbst temporär in den öffentlichen Raum ein. Darin zeigt die "paraflows"-Ausstellung 30 Kunstpositionen, etwa den "tat ort", eine private Zelle am Karlsplatz, die während der Ausstellungsdauer von Künstlern bewohnt wird. Deren "Lebensgeräusche" werden über Lautsprecher an den benachbarten Bäumen nach außen übertragen. Weiters am Programm von "paraflwos" stehen Überraschungsfilm-Matineen, das Figurentheater-Stück "Cakes in Lima" von Thomas Ballhausen und "Krach, der Roboter", der durch das Fast-Zerstören von Computerchips musiziert. Zeitlich will sich das Wiener "paraflows"-Festival zwischen der Ars Electronica in Linz und dem Steirischen Herbst in Graz als Fixpunkt in der österreichischen Festivallandschaft verstärkt etablieren.(APA)

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