Guru darf nur im Glaskasten aussagen

26. August 2009, 12:18
27 Postings

60-Jährigem wird sexueller Missbrauch von Kindern in 314 Fällen vorgeworfen

München - Vor dem Münchner Landgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen Guru und New-Age-Musiker mit Künstlernamen Oliver Shanti begonnen. Der 60-Jährige muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 314 Fällen verantworten. Shanti drohen bis zu zehn Jahre Haft.  Wegen besonders strenger Sicherheitskontrollen wurde die Verhandlung mit etwa halbstündiger Verspätung eröffnet.

Leidet an MRSA

Der Angeklagte musste in einem Glaskasten sitzen sowie einen Gummimantel und Mundschutz tragen, da er an einem übertragbaren MRSA-Keim (Methylicilin-resistenter Staphylokokkus aureus) leidet. Dieser kann verschiedene, teils lebensbedrohliche Krankheiten auslösen und ist wegen seiner Resistenz gegen Antibiotika gefährlich. Der Mann leidet außerdem an Lymphdrüsenkrebs.

Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Guru vor, in der einer sektenähnlichen Kommune in Bayern und Portugal seine Position ausgenutzt haben. Er soll vier Söhne und zwei Töchter seiner Anhänger regelmäßig zu missbraucht haben. Die Opfer waren zur Tatzeit zwischen acht und 14 Jahre alt. Bei fünf der 314 Fälle soll es sich um schweren sexuellen Missbrauch gehandelt haben.

Komplott

"Ich habe keine Kinder missbraucht, das versichere ich Ihnen. Ich habe Kinder sehr lieb", ließ der 60-Jährige am Mittwoch zu Beginn des Prozesses durch seinen Verteidiger erklären. Shanti führte die Vorwürfe auf ein Komplott zurück. Die Menschen, mit denen er über Jahre friedlich in einer Kommune gelebt habe, hätten im Jahr 2002 auf einmal Neid, Hass und Intrigen verbreitet. Er sei von seinen früheren Weggefährten um 5,5 Millionen Euro geprellt worden, außerdem sei seine "Zerstörung" geplant worden.

Millionenverdienst

Shanti wurde 1948 in Hamburg geboren. Nach eigenen Angaben habe er ab den 60er Jahren als Hippie gelebt und sich in Indien zum Musiker ausbilden lassen. Mit seiner Musik, die er als Weltmusik bezeichnet, will er Millionen verdient haben. Als Guru hat er sich mit einer Gemeinschaft Mitte der 80er Jahre in Portugal niedergelassen. Dort soll er sich von 1985 bis 1998 an zwei Mädchen und vier Buben vergangen haben. Erst 2002 hatten sich zwei Opfer an die Polizei gewandt. Seither fahndete das Bundeskriminalamt nach ihm. Im Juni 2008 war er in Lissabon verhaftet worden.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Oliver Shanti verbringt seinen Gerichtstag im Glaskasten

Share if you care.