Der Stoff, der niemals endet

25. August 2009, 19:33
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Niederösterreichische Cradle-to-Cradle-Textiltechnik für Nachhaltigkeit ausgezeichnet

"Die Ressourcen dieses Planeten reichen nicht länger aus", gibt der niederösterreichische Techniker Reinhard Backhausen zu bedenken, "also müssen alle umdenken. Insbesondere die Industrie muss vermehrt in Wiederverwertungs-Kreisläufen denken."

Backhausen, Chef des gleichnamigen Textilunternehmens, hat gehandelt - und ging im Juli mit "Returnity" auf den Markt, dem ersten flammenhemmenden Stoff, der zur Gänze wiederverwertbar ist. Für diese Innovation erhielt er nun die "Cradle to Cradle"-Zertifizierung in Gold. Die Idee hinter "Cradle to Cradle" ("von der Wiege zur Wiege") ist die Herstellung von kreislauffähigen Produkten, die wirtschaftlich erfolgreich sind und die Ressourcen schonen.

Ausgangsprodukt, erklärt Backhausen, war die seit vielen Jahren weltweit verwendete Marke Trevira CS, eine Textilfaser, die sich insbesondere durch ihre Feuerfestigkeit auszeichnet. Allein - die dafür verwendeten Farbstoffe und einige Trägersubstanzen seien alles andere als umweltfreundlich gewesen. Gemeinsam mit Forschern der Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA) in Hamburg hat Backhausen ein chemisches Optimierungsverfahren entwickelt, um "alle bedenklichen Stoffe herauszufiltern und durch nachhaltige Stoffe zu ersetzen".

Wiederverwertung im Kreis

Herausgekommen ist der Stoff "Returnity", abgeleitet von "Return" (dem Aspekt der Zurücknahme) und "Eternity" (für die Ewigkeit). Das Produkt wurde im Rahmen der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Tecnet-Ausschreibung vorgestellt. Bis 30. 11. sind heimische Unternehmen und Forschungseinrichtungen aufgerufen, Projektideen für ökoeffiziente Produkte und nachhaltige Produktionsverfahren einzureichen.

"Returnity" zeichnet sich neben der Umweltfreundlichkeit vor allem durch den Recycling-Modus aus. Zwar gebe es für die feuerfeste Textilfaser, die vor allem in der Bekleidungsindustrie und der Innenausstattung von Gebäuden zum Einsatz kommt, kein Ablaufdatum, betont Backhausen. Trotzdem könne jeder Bezieher jederzeit die Rücknahme des Stoffes fordern - mit einem beim Kauf eigens mitgelieferten Rückgabepass.

Das Material wird dann abgeholt und recycelt. Dabei wird die Faser in ein Granulat zurückgeführt, das wiederum Basis für die Herstellung zahlreicher Folgeprodukte sein soll - vom Gartensessel bis, in gepresster Form, zu Isolierstoffen für Autotüren. Nur mit der Herstellung neuer "Returnity"-Fasern funktioniere es noch nicht so ganz, gesteht Backhausen: "Technisch könnten wir das zwar bewältigen, doch braucht es dafür noch riesige Mengen des Granulats. Doch wir arbeiten daran." Jedenfalls, hofft er, sei damit ein Weg der nachhaltigen Nutzung für die Industrie aufgezeigt worden, dem andere Sparten folgen könnten. (fei/DER STANDARD, Printausgabe, 26.08.2009)

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