Starparade und Boykott-Drohungen

25. August 2009, 12:21
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Matt Damon, George Clooney, Richard Gere und viele andere kommen in die Lagunenstadt - Italienische Filmszene protestiert gegen Kürzungen der Regierung Berlusconi

Wien - Viel Kritik mussten die Filmfestspiele von Venedig (2.-12. September) in den vergangenen Jahren einstecken: Zu wenige US-Produktionen seien am Lido, wurde beklagt, die großen Stars würden zudem viel lieber nach Cannes oder - wenn man sich politisch geben will - nach Berlin fahren. Diesmal muss sich das dritte große A-Festival allerdings nicht verstecken: Eine Starparade wird in der Septembersonne der Lagunenstadt glänzen - nur die eigene Filmlandschaft könnte diesmal Probleme bereiten. Denn zahlreiche italienische Filmschaffende hatten kürzlich von einem Boykott der Festspiele als Aktion gegen die Regierung Berlusconi gedroht.

Dass diese Drohung nicht aus der Luft gegriffen ist, bewiesen namhafte italienische Schauspieler und Regisseure bereits bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Festival-Programms. Kurz vor Beginn protestierten sie gegen die Einschnitte der Regierung bei den staatlichen Finanzierungen für Filmproduktionen. Und auch beim Festival selbst werde es zu Demonstrationen kommen, um die Aufmerksamkeit der Medien für das Problem der Finanzierungskürzungen zu wecken, hieß es. Zuvor hatten bereits die Produzenten einen Boykott angekündigt, hatte Berlusconi doch zusätzliche 200 Millionen Euro für Filmproduktionen versprochen, jedoch aus Spargründen später einen Rückzieher gemacht.

Wohl auch als Zeichen des guten Willens und Einvernehmens mit der Filmszene vor Ort stellte Festival-Direktor Marco Müller mit "Baaria" von Oscar-Preisträger Giuseppe Tornatore einen Film aus Italien an den Beginn des Festivals. Es ist das erste Mal seit 20 Jahren, dass ein italienischer Beitrag die Festspiele eröffnet. Und im Wettbewerb finden sich insgesamt vier Werke von italienischen Regisseuren - auch das kein schlechter Schnitt bei 24 Filmen im Rennen um den Goldenen Löwen. Ebenfalls auffällig: Gleich sechs Produktionen aus den USA stehen im Wettbewerbsprogramm - wohl ein zweiter Schritt zur Beruhigung der Situation.

Durch die Filme aus den USA ergibt sich eine größere Stardichte schon fast automatisch. Colin Firth und Julianne Moore spielen in Tom Fords "A Single Man", Nicolas Cage und Eva Mendez in Werner Herzogs "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans". Dazu wird der US-Star Matt Damon den Filmemacher Steven Soderbergh nach Venedig begleiten, der seinen Thriller "The Informant" vorstellt. George Clooney, Kevin Spacey, Ewan McGregor und Jeff Bridges sind die vier Stars der Komödie "The Men who Stare at Goats", die Regisseur Grant Heslow außerhalb des Wettbewerbs präsentiert. Zu den in der Schiene "Mezzanotte" vorgestellten Filmen zählt der US-Thriller "Brooklyn's Finest" von Antoine Fuqua, der in die Lagune Richard Gere und Ethan Hawke bringen wird. Oliver Stone stellt hinzu seinen Dokumentarfilm "South of the Border" vor.

Außerdem gibt es äußerst prominente Preisträger und Preisübergebende, die bereits im Voraus feststehen. Der vor allem für seine "Rocky"- und "Rambo"-Blockbuster bekannte Sylvester Stallone wird mit einem Spezialpreis des Festivals ausgezeichnet, weil er mit seinen Filmen "die hellsten und die dunkelsten Zonen des American Dream erforscht" habe. Und den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk wird Star Wars"-Schöpfer George Lucas dem US-Regisseur John Lasseter übergeben. Anwesend sein werden auch enge Weggefährten des "Toy Story"-Regisseurs wie Brad Bird, Pete Docter, Lee Unkrich und Andrew Stanton von Disney-Pixar. (APA)

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