Praktikumsstelle nur gegen Bezahlung

25. August 2009, 10:38
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Konkurrenzkampf am Arbeitsmarkt treibt seltsame Blüten

Washington/Köln - In den USA ist derzeit der Kampf um Praktikumsstellen hart wie noch nie. Studenten und Hochschulabgänger kämpfen mit Heerscharen von Arbeitslosen um die raren Stellen. Immer mehr von ihnen sind mittlerweile bereit, für den Arbeitsplatz zu bezahlen. Arbeitsagenturen machen sich die angespannte Situation zunutze, vermitteln arbeitswilligen jungen Menschen Stellen und kassieren bis zu 8.000 Dollar für diese Leistung.

Das Geschäft boomt. Rund 9.000 Bewerbungen sind in diesem Jahr bereits bei der Agentur "University of Dreams" eingetroffen - ein Drittel mehr als 2008. Experten sind skeptisch, ob die Entwicklung positiv zu bewerten ist. "Die Bewerbung für ein Praktikum sollte auch ein Testlauf für die spätere Suche nach einem fixen Arbeitsplatz sein. Solche Angebote sind der Selbstständigkeit der Bewerber nicht förderlich", sagt Christiane Konegen-Grenier, Hochschulreferentin am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Bereit für Erfahrung zu zahlen

Der für die Vermittlung der Praktikumsstelle an die Agentur zu entrichtende Obolus inkludiert neben der achtwöchigen Anstellung noch einige weitere Punkte. Für bis zu 8.000 Dollar gibt es neben dem Plus im Lebenslauf auch Unterkunft, fünf warme Mahlzeiten pro Woche, Wochenendtrips und ein individuelles Karriere-Coaching. Betroffene wie die 24-jährige LaShawn Wallace finden die Situation ganz normal. Sie wolle etwas lernen und Erfahrung sammeln, und dafür sei sie bereit zu bezahlen. Seit Mitte Juli arbeitet die Studentin bei einer New Yorker Eventagentur und hat den Kauf der Stelle bisher noch nicht bereut. Tagsüber hilft sie in der Marketingabteilung, abends arbeitet sie an der Organisation von Disconächten mit. "Da lassen sich Arbeit und Freizeit gut verbinden", sagt sie.

Strategie statt Bildung

Kritik kommt von Experten auch, weil das Kaufen von Praktikumsstellen die soziale Kluft verstärke. "Ich halte es für problematisch, wenn solche Dienstleistungen für jene finanzierbar sind, die über genügend Geldmittel verfügen. Anderen, die ohnehin Mühe haben, ihr Studium zu finanzieren, bleibt das verwehrt", so Konegen-Grenier. In die gleiche Kerbe schlägt Anthony Antonio, Erziehungswissenschaftler an der Stanford-University. "Karriere wird zum reinen Strategiespiel. Mit Bildung hat das nichts mehr zu tun", sagt er. (pte)

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    Praktikumsstellen sind in den USA derzeit rar gesät

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