"Überraschend, aber nachvollziehbar"

24. August 2009, 12:17
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Dörfler will nicht zu Ulrichsberg-Treffen gehen - Politologe Hajek sieht die neue BZÖ-Linie als "liberale" Partei bestätigt

"Überraschend, aber nachvollziehbar" findet Politologe Peter Hajek, die Entscheidung des Kärntner Landeshauptmannes Gerhard Dörfler nicht zu dem jährlichen Ulrichsberg-Treffen zu gehen, weil es ihm "zu rechts" sei. Hajek: "Das passt zu dem Versuch Josef Buchers, das BZÖ einerseits vom klassischen rechten Rand lösen zu wollen und andererseits von den Freiheitlichen abzugrenzen." Zeitlich sei es auch ganz gut mit der Aufregung in Vorarlberg abgestimmt, wo der FPÖ-Landesrat Dieter Egger mit antisemitischen Sagern auf sich aufmerksam machte. 

Buchers Vorstoß in dem Sommergespräch mit dem ORF, das BZÖ als die neue liberale politische Kraft in Österreich darzustellen, wird in den kommenden Jahren seine Hauptaufgabe sein, so Hajek. Dazu sei es auf der einen Seite nötig diese Richtung über einen längeren Zeitraum glaubhaft zu vertreten und auf der anderen, sich wenn nötig von Personen innerhalb der Partei zu trennen, die dabei nicht mithalten. "Bei Peter Westenthaler kann ich mir das zum Beispiel gut vorstellen", sagt Hajek. Auch sei Dörflers Entscheidung nur wenig glaubhaft, solange dieser weiterhin Tschetschenen auf die Saualpe verfrachte.

Potential für eine liberale Partei sieht der Politologe in Österreich aber sehr wohl: "Man kann damit sicher keine Mehrheit erreichen, aber sich als Kleinpartei gut und nachhaltig positionieren." 

Seltsam mutet lediglich an, dass gerade Dörfler als Jörg Haiders Nachfolger eben jene Veranstaltung nicht besuchen wird, die seinem Vorgänger besonders am Herzen lag. Das jährliche Treffen von Kriegsveteranen und deren Angehörige findet seit 1958 statt - Haider sorgte unter anderem 1995 für Aufregung, als er den anwesenden Waffen-SS-Soldaten seinen Dank aussprach. Die eine oder andere Stimme könnte das Abweichen von der Haider-Linie damit schon kosten, so Hajek. (red, derStandard.at, 24.8.2009)

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    Das jährliche Treffen von Kriegsveteranen und deren Angehörige findet seit 1958 statt.

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