Kampusch: "Erwartungshaltungen gegenüber Verbrechensopfern erstaunlich"

21. August 2009, 14:32
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Die 21-Jährige betonte, wie wichtig ihr der Bezug zur Öffentlichkeit sei

Die Flucht von Natascha Kampusch aus der achteinhalb Jahre dauernden Gefangenschaft bei ihrem Entführer Wolfgang Priklopil jährt sich am Sonntag zum dritten Mal. Seither sorgt die heute 21-Jährige immer wieder für Schlagzeilen. "Es ist schon erstaunlich, wie groß die Erwartungshaltungen gegenüber einem Verbrechensopfer sind", so Kampusch über ihre Rolle in den Medien.

"Wenn man sich leidend versteckt, muss man sich den Vorwurf anhören, dass die Öffentlichkeit ein Recht hätte zu erfahren, was passiert ist", betonte sie. "Gibt man diesem Druck hingegen nach und gewährt Einblicke in die Geschehnisse, wird einem vorgeworfen, dass man aus Mediengier gehandelt habe und ab sofort als Person des öffentlichen Lebens keinen besonderen Schutz der Privatsphäre mehr genießt."

"Interessant ist auch die Annahme, dass es ein 'opfertypisches Verhalten' geben müsse", kritisierte Kampusch, die dabei vor allem an Berichte über ihren Umgang mit Priklopils Hinterlassenschaft denken dürfte: "Wenn ich das Haus des Täters, das mir als Schadenersatz für die Zeit der Entführung zugesprochen wurde, lüfte oder entrümple, wird der Schluss gezogen, dass das wohl alles gar nicht so schlimm war", meinte die junge Frau. "Denn sonst hätte ich ja nicht die Kraft, zum Haus zurückzukehren."

Gleichzeitig hob die 21-Jährige hervor, wie wichtig ihr der Bezug zur Öffentlichkeit sei: "Um auch eines bei dieser Gelegenheit klar zu stellen, ich freue mich über das anhaltende Interesse an meiner Person", erklärte sie. "Der Kontakt mit den Medien ist mittlerweile zu einem Teil meines Lebens geworden."  (APA)

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