Impfung in Deutschland beschlossen

19. August 2009, 13:01
1 Posting

Diskussionen über Kosten - Experten sehen Sinnhaftigkeit einer Impfung nur, wenn sich 80 Prozent der Bevölkerung impfen lassen

Berlin/Wien/London - Die Bevölkerung in Deutschland soll die Möglichkeit bekommen, sich im Herbst gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Die Regierung billigte am Mittwoch in ihrer Kabinettssitzung die entsprechenden rechtlichen Grundlagen. Geplant ist, insbesondere Risikogruppen zu impfen. Bis zu 35 Millionen Bürger sollen diesen Schutz erhalten.

Diskussionen über Kosten

Die deutschen Bundesländer können nun mit den gesetzlichen Krankenversicherungen Impf-Vereinbarungen schließen. Die Krankenkassen sollen die Kosten von etwa einer Milliarde Euro tragen. Das Ziel der deutschen Bundesregierung ist, dass sich jeder impfen lassen kann, der dies will. Die möglicherweise damit entstehenden zusätzlichen Kosten sollen der deutsche Staat und die Bundesländer aus Steuermitteln übernehmen. Bezüglich der Übernahme der Kosten hat es in Deutschland in den vergangenen Wochen heftige Diskussionen gegeben. Die Krankenkassen wollten zunächst vorübergehend sogar höhere Beiträge einheben.

Österreich verfolgt eine etwas andere Strategie

Österreich verfolgt eine etwas andere Strategie. Es gibt einen Vorvertrag mit dem Pharmakonzern Baxter über die Lieferung von 16 Mio. Dosen einer bereits in Produktion befindlichen A(H1N1)-Pandemie-Vakzine. Das würde bei zwei notwendigen Teilimpfungen den Schutz der gesamten Bevölkerung möglich machen, nicht nur jenen von Risikopersonen wie chronisch Kranken, Schwangeren und Angehörigen der Gesundheitsberufe. An Kosten rechnet man mit rund 95 Mio. Euro.

Immunisierte stecken andere Personen nicht mehr an

"Die Impfung von Risikogruppen bedeutet individuellen Schutz. Darüber hinaus stecken Immunisierte andere Menschen nicht mehr an. Bei der Impfung der Angehörigen der Gesundheitsberufe geht es darum, diese Menschen einsatzfähig zu halten. Außerdem sollen sie nicht Patienten anstecken können. Für den Schutz der gesamten Bevölkerung, also um die Ausbreitung der Influenza zu verlangsamen, sollten sich möglichst viele Menschen immunisieren lassen", erklärt dazu der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze.

In Deutschland erklärten Experten vor einigen Tagen, dass man zum Stoppen einer Influenza-Pandemie-Welle mindestens 80 Prozent der Bevölkerung impfen müsste. Dann würde eine sogenannte "Herdenimmunität" wirksam werden.

Keine Zwangsimpfungen für Pflegepersonal

Allerdings, da man in westlichen Industriestaaten keine Zwangsimpfungen durchführen kann, bleibt die Frage, ob sich - selbst unter den Risikopersonen - genügend Menschen gegen die Schweinegrippe immunisieren lassen. Eine Online-Umfrage unter Angehörigen des Pflegepersonals in Großbritannien brachte am Dienstag laut "Times Online" erschütternde Ergebnisse ans Tageslicht: 30 Prozent der Krankenpfleger sagten, sie würden sich nicht gegen A(H1N1) immunisieren lassen. 37 Prozent erklärten sich dazu bereit. 33 Prozent waren unentschlossen.

 "Dabei dürfen wir nicht nur an die Pandemie-Influenza denken. Es gibt Überlegungen von Wissenschaftern, die besagen, dass im Herbst bei uns die saisonale Influenza und A(H1N1) parallel vorkommen werden. Gegen letztere sollte man sich auch impfen lassen", so Kunze. (APA)

Share if you care.