Gefällige Klangmassen

16. August 2009, 18:56
posten

Die Philharmoniker unter Riccardo Muti

Salzburg - Als witzige Schnittstelle im Konzept des Salzburger Konzertchefs Markus Hinterhäuser wirkte dieser dritte Auftritt der Wiener Philharmoniker im Großen Festspielhaus: Selbiger war Teil des Schwerpunkts "Kontinent Varèse", doch wäre er auch, ob der Faust-Symphonie, mehr als nur ein Intermezzo im Rahmen der laufenden "Liszt-Szenen", dem zweiten diesjährigen Konzertschwerpunkt, gewesen.

Zu Edgard Varèses Klangmassen: Arcana verlangt neben der umfangreichen Streicher- und der erweiterten Bläsergruppe nicht weniger als 41 Schlaginstrumente. Bei der Uraufführung 1927 unter Leopold Stokowski in Philadelphia sorgte dies alles für erhebliche Tumulte; nun, in Salzburg, wurde es heftig bejubelt. Dennoch: Was den Kontinent-Varèse-Konzerten in der Kollegienkirche etwa des Ensemble Modern oder des Percussive Planet Ensembles von Martin Grubinger ihren Drive verlieh - vor allem ein zupackender Angriff auf die rhythmischen Grundstrukturen des Werkes -, ebendies ging unter der Leitung von Riccardo Muti ins postromantisch Gefällige.

Dieses haftet zwar allen Varèse-Stücken ein bisschen an - auch den ganz frühen, noch heute als revolutionär eingestuften. Wenn jedoch solch überbordende Soundmassen nicht gebündelt werden, sich niemand wirklich die Mühe macht, besagten rhythmischen Strukturen auch nachzuspüren, kommt nicht viel mehr heraus als Wohllaut mit Krawall.

Darüber täuschten auch die hervorragend musizierten jazzigen Einwürfe oder die bedrohlich in der Tiefe des Blechs und der Kontrabässe grummelnden Rhythmen nicht hinweg.

Wohllaut ohne Krawall folgte dann in Form einer Faust-Symphonie in drei Charakterbildern (nach Goethe) von Franz Liszt: Muti hat betulich und opulent ausgemalt, wie Liszt Faust, Gretchen und Mephisto gezeichnet hat. Tiefere Charakterdimensionen wurden in dieser Lesart jedenfalls nicht erreicht. Aufhorchen durfte man etwa gegen Ende der 65. Werkminute: Tenor Michael Schade stellte - im Schlusschor zusammen mit den Männern des Wiener Staatsopernchores - sein unvergleichliches Timbre und sein Piano in den Dienst des "ewig Weiblichen". (Heidemarie Klabacher / DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2009)

 

21. und 22. 8.: Philharmoniker-Konzert unter Franz Welser-Möst

Share if you care.