Erste Ministerinnen seit 1979

16. August 2009, 17:10
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Präsident Ahmadinejad bastelt an seinem Kabinett - Sadek Larijani wird Justizchef

Teheran - Im Iran sollen erstmals seit der Islamischen Revolution von 1979 Frauen in Ministerämtern Regierungsverantwortung tragen. Das kündigte Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Sonntag im staatlichen Fernsehen an. Zumindest das Gesundheitsministerium und das Sozialressort sollen künftig mit der 50-jährigen Gynäkologin Marzieh Vahid Dastjerdi und der 43-jährigen Abgeordneten Fatemeh Ajorlou von Frauen geleitet werden. Beide gelten, wie der Präsident auch, als erzkonservativ. Ein drittes Ministerium könne ebenfalls an eine Frau gehen, sagte er, ohne das Ressort konkret zu benennen. Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, ernannte unterdessen einen Hardliner zum neuen Justizchef des Landes.

Der Geistliche Sadek (Sadeq) Larijani wird das Justizsystem für die kommenden fünf Jahre leiten, wie das staatliche Fernsehen am Samstag berichtete. Er wird Nachfolger des konservativen Ayatollahs Mahmoud Hashemi Shahroudi, dessen zweite fünfjährige Amtszeit endet. Der neue Justizchef ist ein Bruder von Parlamentspräsident Ali Larijani und Mitglied des einflussreichen Wächterrats, der die umstrittene Wiederwahl von Präsident Ahmadinejad im Juni offiziell bestätigt hat. Der Justizchef ernennt unter anderem einen Teil der Mitglieder des mächtigen Wächterrats.

Werbung um Wählerinnen

Beobachter werteten die Nominierung von Frauen als Versuch, im Streit um den Ausgang der Präsidentenwahl mehr Unterstützung von der weiblichen Bevölkerung zu erhalten. Die letzte Ministerin war unter dem Schah-Regime im Amt und wurde nach der Revolution von 1979 wegen Korruptionsvorwürfen exekutiert. Farrokhru Parsay war von 1968 bis 1977 im Amt.

Ahmadinejad muss nach seiner umstrittenen Wiederwahl am 12. Juni und seiner Vereidigung am 5. August bis spätestens Mittwoch dem Parlament seine Kabinettsliste vorlegen. Zu Berichten, wonach der Chef-Atomunterhändler Said Jalili neuer Außenminister und damit Nachfolger von Manouchehr Mottaki werden soll, nahm er am Sonntag nicht Stellung. Jalili ist für seine kompromisslose Haltung im Atomkonflikte bekannt. Der Kleriker Heydar Moslehi soll Informationsminister und Chef des Geheimdienstes werden. Die Minister für Inlandshandel, Wirtschaft und Industrie sollen ihre Posten behalten. (APA/AP)

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