Schmachtend gefahrensuchend

13. August 2009, 17:00
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Der Urlaub ist vorüber, der Wurm hat sich wacker geschlagen - beim Rundendrehen übers Buffetdeck, beim Stufensteigen und beim Biss in die Kaimauer

Knapp vor Illirska Bistrica, hinter drei dicken, an SUVs geschnallten Bootsanhängern, sang Thom Yorke schmachtend, dass er wünschte, er wäre "speziell, so babymachend speziell". Der Wurm schlief zufrieden ein. Den Stunt mit dem Radiohead-Song "Creep" wiederholten wir auf der Fahrt zum Sandhaufen in der Kvarner Bucht noch einige Male. Meist begannen des Wurms Augenlider schon zu flattern, sobald Gitarrist Jonny Greenwood zum ersten Mal mit den drei tödlichsten Dead Notes der Musikgeschichte den Refrain ankündigte. Spätestens als Yorke das Wegrennen der Angeschmachteten beklagte, zerlegte der Wurm schon Spielzeug in Morpheus' Babyecke.

Das mit dem Autofahren klappte also ganz gut. Die Fahrt wurde ja auch durch aufregende Übungen unterbrochen - wie siebenunddreißig Runden über das Buffetdeck der Jadrolinija-Fähre zwischen Krk und Merag oder dreiundachtzig Aufstiege über die steilen Stufen (hinunter musste er getragen werden) vom Nichtraucher- auf das Raucherdeck des Bootes zwischen Mali Lošinj und dem skurrilerweise von meterhohen Bambusstauden bewachsenen Sandhaufen.

Auf der Insel gibt es (fast) keine Autos. Nur ein alter Zastava/Fiat-Militär-„Jeep" der Jugoslovenska Narodna Armija stand in der Gegend herum. Und alte Massey-Ferguson-Traktoren. Sie steuerte der Wurm ebenso zielbewusst an wie alle anderen Gefahren (Stiegen ohne Geländer, ungesicherte Hafenmauern, Abhänge in der Bambusschlucht).

Der Wurm schaffte es auch, auf dem kilometerweit ebenen, gatschig-sandigen Babystrand den einzigen Hazard weit und breit auszumachen: Tretboote, in VW-New-Beetle-Form. Er watschelte durchs brunnwarme Wasser hin, wollte raufklettern, wir schleppten den zeternden Zwerg in sicherere Gewässer zurück. Hundertmal am Tag. Schließlich biss er in die Kaimauer, es fehlt nun ein Eckerl des Schneidezahns. Dann fuhren wir nach Hause. Herr Yorke wünschte sich viele Male, er wäre speziell. Der Wurm ratzte glücklich weg. (Leo Szemeliker/DER STANDARD/Automobil/14.8.2009)

  • Gemeinsam in den Urlaub fahren. Gibt's schöneres?
    foto: szemeliker

    Gemeinsam in den Urlaub fahren. Gibt's schöneres?

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