Flügge werden ist nicht leicht: "Ricky"

12. August 2009, 19:33
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François Ozons zehnter Spielfilm zwischen Sozialrealismus und Stilübung - Dazu: die weiteren Kinostarts der Woche

Katie (Alexandra Lamy) lebt alleine mit ihrer schulpflichtigen Tochter Lisa (Mélusine Mayance). Das Einkommen für die Kleinfamilie verdient Katie in einer Fabrik. Dort beginnt eines Tages auch Paco (Sergi López) zu arbeiten, nach anfänglichem Zögern lässt sich Katie auf eine Beziehung mit ihm ein. Als sie schwanger wird, ist die Mutter-Tochter-Symbiose endgültig aus dem Lot. Aber der stimmgewaltige Neuzugang stellt nicht nur für seine Schwester eine Herausforderung dar. Und plötzlich weist er Verletzungen auf, für die angeblich kein Familienmitglied eine Erklärung hat.

François Ozon kultiviert von jeher das Image des Vielseitigen: Ricky ist der zehnte Spielfilm seit Sitcom, dem Debüt des Franzosen von 1998. Zuvor hatte der heute 41-jährige Regisseur bereits zehn Jahre lang erfolgreich Kurzfilme gedreht. Und nach seinem Vorgänger, dem Kostümdrama Angel (2007), erweckt Ricky zunächst auch den Anschein, als hätte sich Ozon nunmehr ernsthaft dem Sozialrealismus verschrieben. Mit dem Auftauchen des Titelhelden entpuppt sich das allerdings schnell als Stilübung - als eine von etlichen falschen Fährten.

Auch dieses Spiel mit Effekten und Oberflächen gehört zum Ozon'schen Werk. Nicht immer hat man dabei so sehr den Eindruck, dass der Filmemacher auf halbem Weg das Interesse an ihnen verliert. Immerhin ist derzeit noch kein Folgeprojekt angekündigt. Vielleicht hat sich der Rastlose selbst eine Nachdenkpause verordnet. (irr)

Kleines Mädchen, glamouröse Dame

Der erste Stop-Motion-Animationsfilm auf 3-D ist ein Glücksfall: Regisseur Henry Selick adaptiert Neil Gaimans Kinderbuch Coraline als bildgewaltige Parabel über die Einsamkeit eines blauhaarigen Mädchen und seinen Übertritt in eine Wunschwelt.

Anne Fontaines Biopic Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft beschäfigt sich ideenarm mit den Anfangsjahren der Modezarin, Audrey Tautou spielt die Hauptrolle.

Der japanische Exzentriker Sion Sono legt mit Love Exposure ein vierstündiges Filmdrama über Religion und andere Obsessionen vor.

Super Art Market von Zoran Solomun blickt hinter die Kulissen des aktuellen Kunstmarkts, und Hotel Sahara widmet sich den Lebenswegen von Flüchtlingen aus Mauretanien. (kam / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.8.2009)

 

  • Nur dem Anschein nach eine heile Familie: François Ozons "Ricky" lockt auf viele falsche Fährten.
    foto: filmladen

    Nur dem Anschein nach eine heile Familie: François Ozons "Ricky" lockt auf viele falsche Fährten.

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