In Graz sollen wieder Schiffe vor Anker gehen

12. August 2009, 18:44
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Staustufe mitten in der Stadt könnte Mur wieder befahrbar machen - Protest der Grünen und Umweltschützer

Graz - Ein ebenso ambitioniertes wie umstrittenes Bauprojekt, das das Stadtbild von Graz nachhaltig verändern wird, dürfte sich in den nächsten Monaten zu einer harten Bewährungsprobe für die schwarz-grüne Stadtregierung entwickeln. Der Landesenergiekonzern Energie Steiermark AG plant gemeinsam mit dem Verbund, mitten in Graz eine Staustufe einzuziehen. Damit soll nicht nur neuer Lebens- und Erlebnisraum - mit Möglichkeiten von Schifffahrt bis zu Bade- und anderen Erholungsprojekten - geschaffen, sondern auch gut ein Viertel der Grazer Haushalte mit Strom versorgt werden. Investitionsvolumen: 85 Millionen Euro. 

Bereits 2015

Die Vorarbeiten sind weit gediehen. Bereits 2010 soll die Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht werden. 2015 könnte die Staustufe in Betrieb gehen. Der Vorstandssprecher der Energie Steiermark, Oswin Kois, rechnet mit 1500 Arbeitsplätzen, die in der Bauphase geschaffen werden. "Das könnte ein Vorzeigeprojekt werden", ist der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl einigermaßen euphorisiert vom Vorhaben des Landeskonzerns.

Die ÖVP sei dabei. "Nicht aber die Grünen", heißt es beim Regierungspartner. "Mit uns ist das nicht zu machen", sagt der für den Grünraum zuständige Grünen-Politiker Stefan Schneider. Eine derartige Murstaustufe mache energiepolitisch und ökologisch keinen Sinn. Das Versprechen, dass neuer Lebensraum geschaffen werde, "kann sicher nicht eingehalten" werden. Für ein derartiges Projekt seien die massiven Eingriffe in die Natur nicht gerechtfertigt. Energiepolitisch soll das Ziel "Energieeinsparung" heißen, also eher in Richtung "Einsparkraftwerk" gedacht werden. 

Angst um Bäume

Schwere Bedenken äußert auch der steirische Naturschutzbundobmann Johann Gepp. Es müssten tausende Bäume gefällt werden, und es dauere bis zu 100 Jahre, bis sie nachwachsen, sagte Gepp zur Kleinen Zeitung. Das Projekt verschärfe zudem die Feinstaubsituation, weil sich die Mur durch die Aufstauung verlangsame und daher weniger Durchzug bringe. Nagl will jedenfalls noch in diesem Jahr einen runden Tisch mit den Projektbetreibern und allen Kritikern organisieren. So weit war man in Graz übrigens schon 1991. Auch der damalige Bürgermeister Alfred Stingl machte sich für eine Staustufe stark. Das geplante Murkraftwerk sollte 1997 in Betrieb gehen. Dann ist das Projekt jedoch sanft entschlummert. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe, 13.8.2009)

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