"Wir müssen auch zeigen, wo Geschosse einschlagen und töten"

22. März 2003, 00:47
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Grimme-Preise verliehen - Preisträger fordern kritische Berichterstattung über Irak-Krieg

Die begehrten Grimme Preise des Deutschen Volkshochschulverbandes für vorbildliche Fernsehleistungen sind am Freitagabend in Marl verliehen worden. Im Beisein von rund 1000 Gästen vor allem aus der Fernseh- und Showbranche erhielten insgesamt 41 Fernsehschaffende den "TV-Oscar". Den selten vergebenen "Grimme Preis mit Gold" bekamen unter anderen die Comedy-Stars Anke Engelke und Olli Dittrich für die ZDF-Produktion "Blind date". Die "Besondere Ehrung" ging an den Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar.

Atmosphäre

Der Leiter des Grimme Instituts, Bernd Gäbler, sagte vor Beginn der Veranstaltung, dass die Feier trotz des Irak-Krieges gerechtfertigt sei. "Wir feiern ja solche Tugenden, die in diesen Tagen wichtig sind für die Verantwortlichen in den Medien, das Streben nach Wahrhaftigkeit etwa." Es sei allerdings klar, dass die Atmosphäre der Feier von dem Krieg geprägt sei.

"Erklärung zur Rolle der Medien im Krieg"

Mehr als 30 Grimme-Preisträger, darunter viele Prominente, haben bei der Preisverleihung eine kritische Berichterstattung über den Irakkrieg in den Medien gefordert. "Wir dürfen nicht nur an den Kanonen und Startrampen stehen, wir müssen auch zeigen, wo ihre Geschosse einschlagen und töten", hieß es in der Erklärung. Unterzeichnet haben unter anderem Senta Berger, Anke Engelke und Götz George. Die "Erklärung zur Rolle der Medien im Krieg" war von Ranga Yogeshwar vorbereitet worden.

"Wir Medienschaffende verstehen uns auch als das wachsame Auge unserer demokratischen Gesellschaft", so die Erklärung. In diesen Tagen trage man eine besondere Verantwortung und dürfe sich nicht von den Wirren des Krieges blenden lassen. "Wir dürfen uns nicht zu Waffenerklärern und Amateurstrategen instrumentalisieren lassen. Wer mit dem Krieg auf Quotenfang geht, macht sich mitschuldig."

"Lasst uns nicht die Wahrheit mit Worthülsen verdecken"

Die Erklärung appelliert weiter: "Lasst uns nicht die Wahrheit mit Worthülsen verdecken. Hinter den Kollateralschäden liegen tote Zivilisten." Die wahren Kriegsbilder seien grausam und absurd. "Wer diese Bilder sieht, kann keinen Krieg wollen, egal wann, egal wo und egal wofür." (APA/dpa)

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