Ein "ungezogener" Kehlmann zieht Bilanz

11. August 2009, 13:18
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Kehlmann über Handke: "Der ist doch selbst ein Showman" - Zuerst wollte Kehlmann über seine Festrede nichts sagen, dann aber doch

Salzburg - Ein Bilanz-Pressegespräch über die Arbeit Daniel Kehlmanns für die Salzburger Festspiele fand am Dienstag statt. "Es ist immer schmeichelhaft, von Peter Handke überhaupt erwähnt zu werden. Aber ein wenig lächeln musste ich schon, als ich heute in den Salzburger Nachrichten gelesen habe, dass er mich als 'Showman der Literatur' bezeichnet hat. Wer Werk und Lebensweg von Peter Handke verfolgt hat, der weiß, dass ihm mediale Inszenierung und Show selber nicht so fern sind wie er es gerne darstellt", so Kehlmann.

"Anders als Handke, der in frühen Jahren schlagartig berühmt wurde, habe ich zehn Jahre lang ziemlich unbeachtet an meinen Büchern geschrieben. Jetzt habe ich das zweifelhafte Glück des Erfolges, und da muss man natürlich eine Balance finden im Umgang mit Medien", so Kehlmann, der versicherte, dass er auch ohne Erfolg genau so an seinen Texten weiterschreiben würde.

Festrede

Zu seiner Festspielrede wollte Kehlmann gar nichts sagen, tat es dann aber doch. Die größte Gefahr sei eine Rede, in der nur zum Kunstgenuss aufgerufen werde. "Ich wollte etwas Kontroversielles sagen und genau das habe ich getan. Ein wenig unfein im Ton, ein wenig ungezogen vielleicht. Aber als Angriff auf Schauspielchef Thomas Oberender war diese Rede nicht gedacht oder geplant."

Der neben Kehlmann sitzende Oberender bestätigte, dass die Debatte über Kehlmanns Rede den Festspielen gut getan hätte, auch wenn er, Oberender, die Sache radikal anderes sehe: "Kehlmann ist da in ein Minenfeld gesprungen. Ich habe alle die heftigen Reaktionen vorausgesehen. Das verständliche Unbehagen über Tendenzen im Theater auf den Begriff 'Regietheater' zu fokussieren, fand ich absolut ungeschickt, aber Kehlmann war nicht zurückzuhalten."

Hervorragend aufgehoben

Inhaltlich fühlte sich Kehlmann bei den Festspielen hervorragend aufgehoben. "Ich habe zum ersten Mal ein Programm kuratiert. Dabei habe ich mich nur gefragt, was mich interessiert. Und erst dann habe ich festgestellt, dass daraus ein plausibler, dramaturgischer Bogen entstanden ist."

Kehlmann hat selbst nur eine Lesung gehalten. In seinem "Dichter zu Gast"-Programm wurden Thomas-Bernhard-Texte gelesen oder der Zauberkünstler Juan Tamariz ist aufgetreten. "Es war mir wichtig zu zeigen, dass auch das Zaubern nicht nur Show, sondern wirkliche Kunst ist, wenn es auf diesem Niveau betrieben wird." Darüber hinaus hat Kehlmann bei einer szenischen Lesung von Tom Stoppard als Laienschauspieler mitgewirkt. Und er hat Georg Kreisler von seiner "fast noch bedeutenderen Seite als Autor dunkler, poetischer Text und Stücke" sowie die Literaturkritiker und "Erzähler über Bücher" Michael Maar präsentiert. (APA)

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    Kehlmann: "Jetzt habe ich das zweifelhafte Glück des Erfolges, und da muss man natürlich eine Balance finden im Umgang mit Medien".

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