Escada kündigt Insolvenzantrag an

11. August 2009, 22:16
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Aufsichtsratssitzung am Mittwoch soll über das Scheitern der finanziellen Restrukturierung informieren

Der Luxusmode-Konzern Escada steht möglicherweise vor der Insolvenz. Sollte das Umtauschangebot scheitern, gebe es keinen Plan B mehr, erklärte Konzernchef Bruno Sälzer.

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München - Die ehemals größte Damenmodemarke der Welt, Escada, will noch in dieser Woche wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München stellen. Das kündigte das Unternehmen am Dienstagabend in einer Adhoc-Mitteilung an, nachdem ein Umtauschangebot an die Gläubiger zuvor gescheitert war.

Lediglich 46 Prozent hätten das Umtauschangebot für eine Anleihe angenommen. Für eine Abwendung der Insolvenz wäre eine Quote von mindestens 80 Prozent nötig gewesen. Der Vorstand beabsichtige deswegen, noch in dieser Woche einen Insolvenzantrag wegen unmittelbar drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen. Für Mittwoch sei eine Aufsichtsratssitzung anberaumt, in der der Vorstand das Aufsichtsgremium über das Scheitern der finanziellen Restrukturierung und die weiteren Schritte informieren werde, erklärte das Unternehmen.

Escada-Chef Bruno Sälzer, der ehemalige Chef von Hugo Boss, warb seit Monaten um Unterstützung für die Rettung des Unternehmens. Ohne die ausreichende Zustimmung sei die Insolvenz für Escada unausweichlich, wiederholte er mehrmals. "Wir haben kein zusätzliches Fangnetz." Eine Ad-hoc-Meldung vom Montag legte fest: Bei einem Scheitern des Anleihe-Umtauschangebots wird noch in dieser Woche ein Antrag auf Insolvenz wegen unmittelbar drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt.

Der 1976 gegründete und einst größte deutsche börsennotierte Damenmodekonzern steckt seit Jahren in der Krise. Unter anderem hatten die Absatznöte der Luxusindustrie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 dem Unternehmen schwer zu schaffen gemacht. Auch Eigenverschulden sind an den Problemen des Konzerns mit schuld: Die früher bei Hollywoodstars wie Kim Basinger und Demi Moore angesagten Escada-Kleider standen zuletzt in dem Ruf, zwar exzellent geschneidert, jedoch altbacken zu sein. Sie trafen nicht den Geschmack einer reichen Klientel.

Eingebrochener US-Markt

Überhaupt traf das Unternehmen hart, dass Kleider von Escada auf dem US-amerikanischen Markt nicht mehr en vogue waren. In den USA machte das Unternehmen in seiner besten Zeit rund ein Viertel des Umsatzes. Zweitgrößter Markt ist Deutschland. Auch in Österreich ist Escada mit einem Shop am Graben vertreten.

Der ersten vom ehemaligen Hugo-Boss-Chef Sälzer verantworteten Kollektion für das nächste Frühjahr wurde deshalb große Aufmerksamkeit gewidmet. Nach Aussagen von Sälzer, etwa in der Welt, sei die 2010er-Kollektion bei den beiden amerikanischen Großkunden Neiman Markus und Saks Fifth Avenue sehr gut angekommen; die Bestellungen trotz Unsicherheiten wieder gestiegen.

Finanzmärkte

Weniger optimistisch sahen die Finanzmärkte das Anleihen-Umtauschangebot für den Konzern, in dem rund 2300 Menschen beschäftigt sind.

Der Konzern war 1976 von Wolfgang und Margaretha Ley gegründet worden. Der Unternehmer kümmerte sich ums Geschäftliche, während seine Frau als ehemaliges Model für die kreative Seite verantwortlich zeichnete. So stieg Escada zwischenzeitlich zur größten Damenmodemarke der Welt auf, geriet nach dem Tod Margaretha Leys 1992 aber immer wieder ins Trudeln. Schon Anfang des Jahrtausends war Escada nur durch den Einstieg eines Investors gerettet worden. Seit 2008 hat das Unternehmen mit den Tchibo-Erben Wolfgang und Michael Herz weitere Großaktionäre. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.8.2009)

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    Die konservativen, gut geschneiderten Kleider von Escada wurden zuletzt in der Welt der schnellen Moden wenig goutiert.

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