Beziehungen statt Reichweite

10. August 2009, 13:38
8 Postings

Es zählen Beziehungen im Markt - Kommentatoren sehen das Ende der klassischen Werbemedien - Ad-Blog von Roland Kreutzer, Tripple Internet

Erinnern Sie sich noch an das Cluetrain Manifesto, das vor 10 Jahren für einen revolutionären Ansatz im Marketing sorgen wollte? Nun, wenn wir ehrlich sind, es hat sich seither nicht viel getan. Die bloggend-aktive Nutzerschaft ist in Anzahl und Bedeutung gering in Europa *duck* und die alten Strukturen im Marketing zu stark, als dass sie sich auf das Internet einlassen würden. Oder?

Nun kommen die Nachfolger des "Manifestos" mit aktualisierten Thesen, die die heutige Internetlandschaft abbilden. Und wieder sind es die bestechenden Analysen, die ganz deutlich machen: Es zählen Beziehungen im Markt, nicht die Werbekeule. Wäre das das Ende der Werbung, wie wir sie kennen? Muss nicht sein, aber die Kommentatoren (die fast durchwegs aus den USA kommen) sehen das Ende der klassischen Werbemedien kommen.

Persönlichkeiten oder Medien

Sie glauben nämlich immer noch daran, dass Werbung geschaltet wird. Sogar mehr denn je Werbung, die auf "Branding" aus ist, also nicht den Kaufabschluss und Aktivitäten für die User, auch nicht den direkten interaktiven Kundenkontakt im Web, sondern auf das Wirken von Marken, die emotionalisiert und geführt werden. Aber nicht über den Banner am reichweitenstarken Medium, sondern die Werbeform dort, wo eine Beziehung für Wirkung sorgt.

Immer wieder genannte Beispiele sind dann Blogs und Kleinst-Medien, die idealerweise von einer Person geführt oder diese zugeordnet werden. Diese ist vertrauenswürdig und gut vernetzt, hat also eine Anhängerschaft im Web, die ihr folgt. Social Networks wie Facebook versorgen einer solchen "Publikation" dann auch noch mit ausreichend Reichweite. Bucht ein Unternehmen Werbung (meist fix platzierte Buttons für einen Zeitraum vergleichbar mit den Sponsorings von Websites), so wirkt die "Beziehung". Gemeint ist nicht die Beziehung Werbekunde-User, wie ein altes Mißverständnis fordert, sondern nach neuer Diktion die Beziehung des Medienbetreibers zum Leser. "Der Werbekunde fördert meine geliebte Informationsquelle" bleibt dann hängen. Der Sponsor profitiert von der Arbeit des geförderten Mediums.

Bezahlst Du meinen Freund, bist Du nett!

Diese Art der Werbung soll also aus den letzten 10 Jahren mit dem Cluetrain-Ansatz entstanden sein und für die neue Revolution sorgen. Stimmt das, so zählen dann tatsächlich gute Beziehungen und Vertrauensstellungen mehr, als pure Reichweite von Medien. Die Vernetzung im sozialen Web und die persönliche Anerkennung und Wertschätzung der handelnden Personen muss also gefördert werden, will ein Werbeträger in einem solchen Umfeld funktionieren. Auch Foren mit starker Bindung und Medien, die auf schreibende Persönlichkeiten setzen, könnten davon profitieren.

Ob der neue Zugang zum "Kunde-im-Mittelpunkt"-Manifest in 10 Jahren Bestand haben wird, muss sich jedoch erst zeigen. Er klingt genauso einleuchtend wie vor 10 Jahren die 96 Thesen. Doch die aktuelle Krise sorgt gerade erst für eine adäquate Nutzung des Web 1.0, es wird also noch etwas Zeit brauchen, bis der nächste Schritt überhaupt denkbar ist ... (Roland M. Kreutzer, derStandard.at, 10.8.2009)

Zur Person:

Roland M. Kreutzer ist Geschäftsführer von Tripple ad-locator.net
www.ad-locator.net
kreutzer@tripple.at

  • Roland M. Kreutzer, Tripple Internet.

    Roland M. Kreutzer, Tripple Internet.

Share if you care.