Sanierer ziehen die Handbremse

7. August 2009, 17:28
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Troubleshooter Niederkofler über seinen Ausstieg aus Niedermeyer, den Verkauf von Cosmos und die Tücken des Elektrohandels

Wien - Die Krise macht Sanierern einen Strich durch die Rechnung. Für 98 Prozent aller Unternehmen, die in den zwei Jahren davor erworben wurden, sei aus heutiger Sicht zu viel bezahlt worden, meint Paul Niederkofler, es sei nichts mehr so wie es war. Der Troubleshooter hat vor kurzem die Anteile an der Elektrokette Niedermeyer an Mitinvestoren abgegeben. Im Herbst soll der Verkauf von Cosmos folgen.

Sein Restrukturierungsfonds beteiligte sich 2006 an Niedermeyer; Niederkofler selbst hatte schon in den Jahren davor an der Sanierung der Handelsfirma gearbeitet. Doch dann brach der Absatz weg: Einschnitte im Mobilfunkgeschäft um bis zu 30 Prozent hinterließen eine rote Spur in der Bilanz, erzählt er. Ende 2008 sei der Entschluss für einen Exit gefallen, seither habe man die Kette aber wieder zurück in die Gewinnzone geführt. Niedermeyer trennte sich von einem Dutzend Filialen, vier davon wurden verkauft, Jobs in der Zentrale gestrichen. Der Umsatz sank um 30 auf 146 Millionen Euro. Das Ergebnis sei bis März jedoch um 13 Millionen gestiegen. Von den 24 Mio. Euro an Schulden entfielen 4,7 auf Banken- und 10,5 auf Lieferantenverbindlichkeiten. Eigenkapitalquote: 32 Prozent.

Niedermeyer brauche für neues Wachstum Geld, sagt Niederkofler, die Investoren seines Fonds wollten das nicht mittragen. Seit Juli ist Werner Weber neuer Chef der Kette mit ihren 98 Filialen: Er hat sich zuvor bei Libro und Pagro engagiert und will sich nun an Niedermeyer beteiligen. Derzeit ist der Konzern noch in Hand von Investoren rund um Walter Dienstl, Wolfram Themmer und Manfred Kunze.

Cosmos schrumpft

Ein neuer Eigentümer soll in den nächsten Wochen auch für die defizitäre Elektrokette Cosmos gefunden werden, bestätigt Niederkofler und verweist auf laufende Gespräche mit Finanzinvestoren. Cosmos bewege sich in einem schwierigen Fahrwasser und sei im Vorjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Zwei der 29 Märkte wurden geschlossen, ein dritter wackelt. Das Unternehmen hadert mit langfristigen Mietverträgen an unrentablen Standorten. Im Frühjahr drohten Hausbanken, die Kreditrahmen zu sperren. Es geht in Österreich um mehr als tausend Arbeitsplätze und Umsätze in Höhe von 260 Mio. Euro.

Der Markt sei im Vorjahr an sich ja gewachsen, Cosmos habe daran aber nicht teilhaben können, sagt Niederkofler. Media Markt und Saturn hätten die Kette als übermächtige Gegner mit hohem Werbebudget ausgebremst. Cosmos ist Österreichs zweitgrößte Elektrohandelskette - die frühere Bawag-Tochter gehört seit drei Jahren den Fonds VMS und Nordwind Capital.

Die VMS verwaltet unter Niederkoflers Federführung 36 Mio. Euro, Beteiligungen gibt es nach dem geplanten Verkauf von Cosmos keine mehr. Der Markt habe sich im Vorjahr dafür nicht gerade angeboten, so Niederkofler. Chancen für Zukäufe gebe es genug, der Bedarf an Sanierern steige. Banken lassen als Partner jedoch aus und fahren die Kreditrahmen zurück, die Zahl an Transaktionen brach quer durch die Branchen massiv ein. "Alle haben die Handbremse gezogen." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

  • Paul Niederkofler sucht neue Beteiligungen.
    foto: standard/corn

    Paul Niederkofler sucht neue Beteiligungen.

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